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In seinem Diskussionsbeitrag greift Dr. Podschus wichtige Ergebnisse unserer Metaanalyse (1) auf. Unter dem ersten Punkt nennt er grundlegende Anforderungen in der Versorgung, denen nur zuzustimmen ist.

Zu seinen weiteren Punkten möchten wir Folgendes ergänzen: Trotz der in Deutschland flächendeckend installierten sozialen Sicherungssysteme steigen die Zahlen wohnungsloser Menschen. In anderen westlichen Ländern mit weniger gut ausgebauten Sicherungssystemen, zum Beispiel in Nordamerika, wurden in den letzten Jahren gezielte Hilfen – insbesondere aufsuchende Konzepte wie das Assertive Community Treatment (ACT) und das Intensive Case Management (ICM) – sowie „Housing First“-Konzepte (Wohnungslose müssen sich nicht erst zum Beispiel durch Abstinenz von Alkohol für Wohneinrichtungen qualifizieren) entwickelt und wissenschaftlich evaluiert (2, 3). Diese zeigten in Bezug auf den Wiedergewinn von Wohnungen und die Verbesserung der seelischen und körperlichen Gesundheit eine gute Wirksamkeit.

Viele Aspekte dieser speziell zur Versorgung entwickelten Konzepte finden sich bereits in den deutschen Hilfesystemen, zum Beispiel der Eingliederungshilfe, integriert. Denkbar wäre dabei

  • international erprobte Konzepte – wie die genannten – mit bestehenden Versorgungsstrukturen zu vergleichen und gegebenenfalls anzupassen
  • Schnittstellenprobleme zu reduzieren und Strukturen zu vereinheitlichen
  • den Fokus auf aufsuchende Hilfen zu konzentrieren.

Darüber hinaus stellt sich bei einer gepoolten 1-Monats-Prävalenz von 77,4 % (95-%-Konfidenzintervall: [71,3; 82,9]) für Achse-1-Erkrankungen unter wohnungslosen Menschen in Deutschland (1) in der Tat die Frage, ob eine Trennung des Versorgungsangebotes in Eingliederungshilfe und sozialer Wohnhilfe – wie derzeit bestehend – notwendig ist. Denn hierdurch ergeben sich allzu häufig Fragen der Zuständigkeit und daraus resultierende Schnittstellenprobleme und somit letztendlich eine in vielen Fällen nicht optimale Versorgung wohnungsloser Menschen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0068b

Dr. med. Stefanie Schreiter
Charité – Universitätsmedizin Berlin
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Charité Campus Mitte
stefanie.schreiter@charite.de

Dr. med. Stefan Gutwinski

PD Dr. med. Meryam Schouler-Ocak

Prof. Dr. med. Felix Bermpohl

Prof. Dr. med. Michael Krausz
Department of Psychiatry,
University of British Columbia (UBC) Vancouver, Kanada

Prof. Dr. med. Stefan Leucht
Technische Universität München,
Klinikum rechts der Isar,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie

Prof. Dr. med. Wulf Rössler
Universität Zürich,
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie,
Psychiatrische Universitätsklinik

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Schreiter S, Bermpohl F, Krausz M, Leucht S, Rössler W, Schouler-Ocak M, Gutwinski S: The prevalence of mental illness in homeless people in Germany—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 665–72 VOLLTEXT
2.
Nelson G, Aubry T, Lafrance A: A review of the literature on the effectiveness of housing and support, assertive community treatment, and intensive case management interventions for persons with mental illness who have been homeless. Am J Orthopsychiatry 2007; 77: 350–61 CrossRef MEDLINE
3.
Patterson M, Moniruzzaman A, Palepu A, et al.: Housing first improves subjective quality of life among homeless adults with mental illness: 12-month findings from a randomized controlled trial in Vancouver, British Columbia. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2013; 48: 1245–59 CrossRef MEDLINE
1.Schreiter S, Bermpohl F, Krausz M, Leucht S, Rössler W, Schouler-Ocak M, Gutwinski S: The prevalence of mental illness in homeless people in Germany—a systematic review and meta-analysis. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 665–72 VOLLTEXT
2.Nelson G, Aubry T, Lafrance A: A review of the literature on the effectiveness of housing and support, assertive community treatment, and intensive case management interventions for persons with mental illness who have been homeless. Am J Orthopsychiatry 2007; 77: 350–61 CrossRef MEDLINE
3.Patterson M, Moniruzzaman A, Palepu A, et al.: Housing first improves subjective quality of life among homeless adults with mental illness: 12-month findings from a randomized controlled trial in Vancouver, British Columbia. Soc Psychiatry Psychiatr Epidemiol 2013; 48: 1245–59 CrossRef MEDLINE

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