ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Akutes Koronarsyndrom: Bei niedrigem hs-Troponin ist das Risiko für einen Herztod gering

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Akutes Koronarsyndrom: Bei niedrigem hs-Troponin ist das Risiko für einen Herztod gering

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-203 / B-178 / C-178

Heinzl, Susanne

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Foto: molekuul.be/stock.adobe.com
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Zur Beurteilung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom werden häufig die Konzentrationen des hochsensitiven (hs) kardialen Troponins bestimmt. Derzeit gilt, dass eine Troponinkonzentration unter 5 ng/L für ein niedriges Risiko spricht, der optimale Grenzwert ist jedoch bislang unklar. Daher wurde in einem systematischen Review untersucht, ob sich dieser Wert zur Risikostratifizierung eignet.

In verschiedenen Datenbanken wurde nach prospektiven Studien gesucht, in denen bei Patienten mit Verdacht auf ein akutes Koronarsyndrom der hs-Troponin-Spiegel gemessen wurde. Insgesamt wurden 11 845 Publikationen gefunden, von denen 36 die Einschlusskriterien erfüllten. Sie umfassten 19 Kohorten. Individuelle Patientendaten lagen von 17 Kohorten vor. Der primäre Endpunkt umfasste Herzinfarkt oder kardialen Tod nach 30 Tagen.

In die Metaanalyse wurden die Daten von 22 457 Patienten mit Verdacht auf akutes Koronarsyndrom im mittleren Alter von 62 Jahren eingeschlossen. 41,5 % waren Frauen. Der primäre Endpunkt trat bei 2 786 Patienten (12,4 %) ein. Die Konzentration des hs-Troponins lag bei 11 012 Patienten (49 %) unter 5 ng/L. 60 dieser Patienten hatten innerhalb von 30 Tagen ein Endpunktereignis (Herzinfarkt) erlitten.

Der negative prädiktive Wert (NPV) lag bei 99,5 %. Nach 30 Tagen war bei Patienten mit niedrigem hs-Troponin kein kardialer Todesfall aufgetreten, nach 1 Jahr waren 7 Patienten verstorben (0,1 %). Dies bedeutet einen NPV von 99,9 % für kardialen Tod.

Weitere Analysen in Subgruppen ergaben, dass der negative prädiktive Wert der 5-ng/L-Grenze bei Patienten mit myokardialer Ischämie niedriger war (98,2 %) als ohne myokardiale Ischämie (99,7 %) im EKG. Bei Patienten über 65 Jahren betrug der NPV 99,1 %, bei Patienten bis zu 65 Jahren 99,6 %. Hatten die Patienten eine ischämische Herzerkrankung in der Anamnese, lag der NPV bei 98,8 %. Ohne ischämische Herzerkrankung betrug der NPV 99,6 %.

Fazit: „Diese Metaanalyse belegt, dass hochsensitives Troponin I und hochsensitives Troponin T hervorragend für die Risikostratifizierung bei Patienten mit instabiler Angina und nicht ST-Hebungsinfarkt geeignet sind“, kommentiert Prof. Dr. med. Hugo A. Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung, Heidelberg. „Der dafür verwendete Diskriminatorwert (5ng/L) liegt noch im Normbereich (99. Perzentile) des Troponin-I- (Normwert 26 ng/L) und Troponin-T-Tests (Normwert 14 ng/L)“. Nach Meinung von Katus belegen die Daten, dass bereits geringste Veränderungen des Troponinspiegels – auch noch im Normbereich – prognostisch bedeutend sind und beim akuten Koronarsyndrom eine Plaqueinstabilität und Thrombusabscheidung anzeigen können. „Diese Daten sind im Einklang mit ähnlichen Befunden sowohl bei Patienten mit stabiler koronarer Herzerkrankung, als auch bei kardialer Beteiligung von systemischen Erkrankungen und bei vermeintlich gesunden Populationen. Auch in diesen klinischen und epidemiologischen Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass eine eindeutige Korrelation zwischen Troponinspiegeln im Blut und einer erhöhten Sterblichkeit und/oder mit strukturellen Veränderungen des Herzens besteht. Allerdings ist wichtig zu betonen, dass die beschriebenen Befunde nur für hochsensitives Troponin I und den hochsensitiven Troponin-T-Test gelten, da andere Troponin-I-Assays und insbesondere auch die in der Praxis oft durchgeführten Schnelltests keine vergleichbare Empfindlichkeit und Präzision haben“. Dr. rer. nat. Susanne Heinzl

Chapman AR, et al.: Association of high-sensitivity cardiac troponin I concentration with cardiac outcomes in patients with suspected acute coronary syndrome. JAMA. 2017; 318: 1913–24.

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