ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Magnetresonanztomografie: Schrittmacher oder ICD machen im Kernspin kaum ernsthaft Probleme

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Magnetresonanztomografie: Schrittmacher oder ICD machen im Kernspin kaum ernsthaft Probleme

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-204 / B-179 / C-179

Meyer, Rüdiger

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Foto: sudok1/iStockphoto
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Eine Magnetresonanztomografie (MRT), die bei Patienten mit Herzschrittmacher und implantierbaren Kardioverter-Defibrillatoren (ICD) lange vermieden wurde, verursacht laut einer aktuellen Studie auch langfristig keine klinisch relevanten Komplikationen (1). Starke Magnetfelder machen im MRI Metallstücke zu Projektilen. Patienten müssen daher Gürtel, Schmuck etc. vorher ablegen. Die Träger von ICD und Herzschrittmachern waren lange vom MRT ausgeschlossen. Todesfälle haben in den 1990er-Jahren in Deutschland zu juristischen Ermittlungen geführt und Radiologen zur Vorsicht gemahnt.

Inzwischen haben sich MRT-fähige Herzschrittmacher und ICD mit weniger Metallkomponenten in Studien als sicher erwiesen. Neuere Untersuchungen testen die nicht explizit MRT-fähigen Implantate auf ihre MRT-Tauglichkeit. Dabei sollte ein Arzt oder eine Fachschwester anwesend sein und die Geräte sollten wenn möglich vor der Untersuchung deaktiviert werden.

Die Johns Hopkins Universität in Baltimore hat damit gute Erfahrungen gemacht. Das belegt eine Evaluierung von 2 103 MRTs an 1 509 Patienten zwischen 2003 und 2015.

Wie das Team um Saman Nazarian berichtet, kam es während 9 Untersuchungen (0,4 %) von 8 Patienten zu einem spontanen Reset der Geräte in einen Backup-Modus. Ein ICD-Träger hatte an einem Ziehen bemerkt, dass sich das Gerät abgeschaltet hatte, es konnte jedoch später wieder reaktiviert werden. Die anderen hatten das Aussetzen der Funktion nicht bemerkt. Bei einem von ihnen konnte der ICD nach dem fünften MRT nicht mehr reaktiviert werden, ihm wurde ein neuer ICD implantiert.

Bei 5 weiteren Patienten wurde das MRT vorzeitig abgebrochen. Einmal kam es bei asynchronem Pacing-Modus zu einer Bradykardie und einmal zu einer (nicht implantatbedingten) Tachykardie. Die anderen 3 Abbrüche waren Artefakten in der Bildgebung geschuldet. Bei 10 Patienten hatten sich unmittelbar nach dem MRT, bei weiteren 10 in der Nachbeobachtung die Funktionsparameter verändert gezeigt, was aber als klinisch nicht signifikant eingestuft wurde und weder eine Neuprogrammierung noch einen Austausch erforderte.

Fazit: Nazarian hält MRT-Untersuchungen aufgrund der Ergebnisse für sicher. Da 551 Patienten nicht nachuntersucht wurden, bleibt ein Restrisiko. Unlängst hat aber auch das „MagnaSafe Registry“ ähnlich ermutigende Zahlen dokumentiert. In dem vom Hersteller eingerichteten Patientenregister war es bei den ersten 1 000 Untersuchungen zu keinen Todesfällen, ventrikulären Arrhythmien oder Störungen der Elektroden gekommen, vorübergehende Ausfälle waren etwa gleich häufig wie in der aktuellen Studie. Rüdiger Meyer

  1. Nazarian S, et al.: Safety of magnetic resonance imaging in patients with cardiac devices. N Engl J Med 2017; 377: 2555–64.
  2. Russo RJ, et al.: Assessing the risks associated with MRI in patients with a pacemaker or defibrillator. N Engl J Med 2017; 376:755–64.

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