ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Koronararterien-Kalzifizierung und körperliche Aktivität: Regelmäßiges Training wirkt auch bei erhöhtem Kalzium-Score protektiv

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Koronararterien-Kalzifizierung und körperliche Aktivität: Regelmäßiges Training wirkt auch bei erhöhtem Kalzium-Score protektiv

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-204 / B-179 / C-179

Löllgen, Herbert

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Foto: Alextype/stock.adobe.com
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In zahlreichen Einzelstudien und Metaanalysen wird berichtet, dass bei hoher Fitness und regelmäßiger körperlicher Aktivität eine geringere Sterblichkeit und eine Verlängerung der Lebenszeit zu erwarten ist. In anderen Untersuchungen dagenen – meist Querschnittstudien – wurde bei hoher Intensität der körperlichen Aktivität eine Zunahme des Kalzium-Scores (Agatston-Score) beobachtet. Der Agatston-Score ist ein Maß zur Quantifizierung der Kalzifikation der Koronararterien (0: keine Kalzifikation, > 400: schwere Koronarkalzifikation). Aus diesem scheinbar paradoxen Zusammenhang wurde eine kausale Beziehung abgeleitet.

Eine prospektive Langzeitstudie über median 8,9 Jahre mit 10 690 asymptomatischen Teilnehmern kommt zu einem anderen Ergebnis (1). Die jährliche Gesamtsterblichkeit erhöhte sich mit steigendem Kalzium-Score und abnehmender körperlicher Aktivität, bei Score-Werten zwischen 1–399 stieg das Sterblichkeitsrisiko mit abnehmender körperlicher Aktivität. Bei inaktivem Lebensstil und einem Score ≥ 400 war das Sterblichkeitsrisko um den Faktor 3,1 erhöht im Vergleich zu aktiven Probanden mit Score 0.

Fazit: Die Studie zeigt zum einen, dass dem Kalzium-Score eine prognostische Bedeutung zukommt. Zum anderen belegt die Untersuchung, dass körperliche Inaktivität das Sterblichkeitsrisiko erhöht und körperliche Aktivität das Risiko senkt. Körperliche Bewegung wirkt also protektiv bei asymptomatischen Personen, auch wenn eine gewisse Kalzifikation der Koronararterien feststellbar ist. Die Ergebnisse sind in Übereinstimmung mit einer aktuellen Studie zum Koronarkalk bei männlichen Marathonläufern (2). Der Grad der Koronarkalzifikation korrelierte mit kardialen Risikofaktoren wie Alter, Rauchen in der Anamnese und Hyperlipidämie, nicht aber mit der Zahl der absolvierten Marathonläufe. Körperlich Inaktiven sollte per Rezept regelmäßige Aktivität verordnet werden. Prof. Dr. med. Herbert Löllgen

  1. Arnson Y, et al.: Impact of exercise on the relationship between CAC scores and all-cause mortality. JACC Cardiovasc Imaging. 2017; 10: 1461–68.
  2. Roberts WO, et al.: Fifty men, 3510 marathons, cardiac risk factors, and coronary artery calcium scores. Med Sci Sports Exerc. 2017; 49: 2369–73.

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