ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Ventrikuläre Tachykardien: Stereotaktische Bestrahlung hat sich in Pilotstudie als gut wirksam erwiesen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Ventrikuläre Tachykardien: Stereotaktische Bestrahlung hat sich in Pilotstudie als gut wirksam erwiesen

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-202 / B-177 / C-177

Meyer, Rüdiger

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Foto: Alexander/stock.adobe.com
Foto: Alexander/stock.adobe.com

Nach Herzinfarkt oder bei Kardiomyopathien kann es zur Bildung von Narben kommen, die die Erregungsleitung im Herzen stören. Eine mögliche Folge sind lebensgefährliche Tachykardien.

Die Behandlung besteht heute zunehmend in einer Katheterablation, die jedoch nicht immer erfolgreich ist oder die Narbenregion nicht erreicht. Die Patienten werden dann mit einem implantierbaren Kardioverter-Defibrillator (ICD) versorgt, der die Tachykardien durch einen Stromstoß beseitigt.

Der ICD kann jedoch die Ursache der Tachykardien nicht beseitigen. So hatten an einem universitären Herzzentrum in den USA 5 Patienten innerhalb von 3 Monaten 6 577 Episoden einer Tachykardie. Bei allen war eine Katheterablation erfolglos geblieben, Medikamente hatten nicht die erwünschte Wirkung erzielt. Die Prognose der Patienten war ungünstig.

Deshalb wurde eine experimentelle Therapie angewendet: ein Linearbeschleuniger, der auch bewegliche Ziele wie das schlagende Herz hoch präzise mit Elektronen bestrahlen kann.

Die Zielregionen wurden während einer mit dem ICD ausgelösten ventrikulären Tachykardie über ein 256-Elektroden-EKG lokalisiert. Magnetresonanztomographie oder Single-Photon-Emissions-Computertomographie lieferten ergänzende anatomische Informationen.

Die Zielvolumina in einer Größe von 17–81 mL wurden mit einer Einzeldosis von 25 Gy bestrahlt. Der Elektronenstrahl zerstört die Zellen, indem er die DNA schädigt. Bis zum Absterben der Zellen können mehrere Wochen vergehen. In dieser „blanking period“ von 6 Wochen kam es noch zu 680 Episoden einer ventrikulären Tachykardie, in den darauf folgenden 46 Patientenmonaten waren es nur noch 4 Episoden. Dies entsprach einer Reduktion um 99,9 %.

Potenzielle Risiken ergeben sich aus der Nähe des Bestrahlungsgebietes zu strahlensensiblen Geweben wie Myokard, Reizleitungssystem, Herzklappen, Koronararterien, Lungen, Nervenverbindungen und Speiseröhre. Zwar wurden keine schwere therapieassoziierten Nebenwirkungen beobachtet. Ob es aber langfristig zu Schäden kommt, soll eine Anschlussstudie ermitteln.

Fazit: Eine stereotaktische Bestrahlung mit einem Linearbeschleuniger, der zur gezielten Therapie von Hirntumoren entwickelt wurde, hat in einer Fallserie 5 Patienten von ventrikulären Tachykardien befreit. Die stereotaktische Strahlentherapie ist damit in der Lage, eine ventrikuläre Tachykardie als Folge von Narben fast vollständig zu heilen. Rüdiger Meyer

Cuculich PS, Schill MR, Kashani R, et al.: Noninvasive cardiac radiation for ablation of ventricular tachycardia. N Engl J Med 2017; 377: 2325–36.

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