ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Brustkrebs: Positive Risiko-Nutzen-Bilanz

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Brustkrebs: Positive Risiko-Nutzen-Bilanz

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-210 / B-181 / C-181

Wenderlein, J. M.

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Negativmeldungen zur Pille sind riskant. Das führte in Großbritannien zu 17 000 Schwangerschaftsabbrüchen mehr als im Vorjahresvergleich. Vermeidbar ist das durch Risikoangaben von Absolutzahlen.

Im Beitrag zur dänischen Studie wird zu Beginn von 20 Prozent höherem Brustkrebsrisiko berichtet. Das waren 13 mehr Krebse pro 100 000 Frauen/Jahr. Letzteres wurde erst am Ende des Beitrages genannt, unter Weglassen von … je 100 000!

Die epidemiologische Studie hat diverse Mängel. So hatten Frauen mit Pillennutzung doppelt so oft einen Universitätsabschluss. Höheres Bildungsniveau/Sozialstatus ist mit höherem Brustkrebsrisiko assoziiert.

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Kombinationspillen mit Norethisteron gingen mit neun weniger Krebsen je 100 000 einher und jene mit Levonorges-trel mit neun mehr Krebsen. Beide Gestagene unterscheiden sich biologisch und chemisch kaum.

Spiralen mit sehr wenig Levonorgestrel- Abgabe ins Serum waren mit 17 mehr Krebsen je 100 000 assoziiert, so oft wie Kombinationspillen mit 17 je 100 000. Verkannt wurde, dass Spiralennutzerinnen oft höhere Thromboembolie-Risiken haben durch ausgeprägte Adipositas und hohen Nikotinkonsum. Beides bewirkt bis Faktor 10 höheres Brustkrebsrisiko.

Die Epidemiologen haben weitere Korrelationen verkannt.

Abschließend wird das Risiko „small“ genannt ... Bei uns ist 1 zu 10 000 „sehr gering“ und zu 100 000 erst recht.

Auf Schutz der Pille vor Ovarial-Krebs, Corpus-Ca und Dickdarmkrebs wird verwiesen ohne jegliche Zahlenangaben. Bei Ovarial-Krebs mit sehr schlechter Prognose kommt es zu Risikohalbierung durch Pille für 10 Jahre. Mit längerer Pillen-Einnahme-Dauer gilt Ähnliches für Corpus- und Darm-Ca.

Führt die Studie zu mehr Schwangerschaftsabbrüchen durch Verunsicherung, so treten ethische Probleme auf, insbesondere für Frauenärzte.

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. J. M. Wenderlein, 89075 Ulm

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