ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Randnotiz: Einsame Insel
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Künftig wird es in Großbritannien eine „Ministerin für Einsamkeit“ (Minister für Loneliness) geben. Tracey Crouch, Staatssekretärin für Sport und Ziviles im Kulturministerium, soll diese Aufgabe übernehmen, teilte Theresa May Mitte Januar mit. Großbritanniens Premierministerin will damit der zunehmenden Vereinsamung von wachsenden Teilen der Bevölkerung entgegenwirken. Denn Gefühle von Einsamkeit und sozialer Isolierung können das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle erhöhen (http://daebl.de/NA69).Nach einem Bericht der „Jo Cox Comission on Loneliness“ fühlen sich mehr als neun Millionen Briten (von 65,5 Millionen Einwohnern) häufig oder permanent einsam. Vor allem betroffen sind Senioren, Pflegende, Angehörige, Trauernde, junge Eltern und Flüchtlinge. Die Kommission wurde nach der ermordeten Labour-Politikerin benannt, die sich auf politischer Ebene für die Belange einsamer Menschen eingesetzt hatte. Jo Cox, die sich für den Verbleib in der EU ausgesprochen hatte, wurde 2016 auf offener Straße von einem rechtsextremen Brexit-Befürworter erschossen. Die neue Ministerin für Einsamkeit soll nun an ihr Vermächtnis anknüpfen und politische Strategien für die Lösung des Problems entwerfen. Das alles ist gut und richtig. Doch könnte die Regierung vielleicht noch einen Schritt weitergehen und die Zuständigkeit des neuen Amtes auf Depressionen und Angststörungen ausweiten – oder besser gleich auf psychische Erkrankungen. Präventionsstrategien gegen Rechtsextremismus täten ein Übriges, um zunehmenden Strömungen auf der sich isolierenden Insel entgegenzuwirken.

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