ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Arteriosklerose mit hohem KHK-Risiko: Interleukin-1-Inhibitor Canakinumab beugt kardiovaskulären Komplikationen vor

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Arteriosklerose mit hohem KHK-Risiko: Interleukin-1-Inhibitor Canakinumab beugt kardiovaskulären Komplikationen vor

Dtsch Arztebl 2018; 115(5): A-202 / B-177 / C-177

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Ralwel/iStockphoto
Foto: Ralwel/iStockphoto

Eine chronische schwache Entzündungsaktivität ist an allen Stadien atherothrombotischer Prozesse beteiligt: von der frühen Plaquebildung bis zur Plaqueruptur. Die Folge können Thrombosen, Herzinfarkt oder Schlaganfall sein. Deshalb wird geprüft, ob antientzündliche Medikamente protektiv wirken können. Die Canakinumab Anti-Inflammatory Thrombosis Outcomes Study (CANTOS) hatte ergeben, dass der gegen Interleukin 1β gerichtete Antikörper Canakinumab bei Patienten mit Herzinfarkt in der Anamnese das Risiko für major cardiovascular events (MACE, kardiovaskulärer Tod, Herzinfarkt oder Schlaganfall) in median 3,7 Jahren um 15 % und damit moderat, aber statistisch signifikant senkte (1). Nun wurde in einer präspezifizierten Subanalyse untersucht, ob eine Reduktion des Entzündungsbiomarkers high sensitivity C-reactive Protein (hsCRP) mit der Risikoreduktion korreliert und damit ein Ansprechen vorhersagen kann (2).

In der CANTOS-Studie waren 10 061 Männer und Frauen randomisiert worden in eine Gruppe, die subkutan Placebo erhielt, eine zweite Gruppe mit 50 mg Canakinumab subkutan alle 3 Monate, eine dritte Gruppe mit 150 mg und eine vierte Gruppe mit 300 mg mit Canakinumab s.c. alle 3 Monate. Mithilfe einer Multivariatenanalyse wurde untersucht, ob Baselinecharakteristika der Patienten oder das hsCRP nach der ersten Antikörperinjektion mit einem Ansprechen korrelierten.

Für Baselinecharakteristika wie die Blutkonzentrationen von HDL oder LDL ergab sich kein Zusammenhang, alle Subgruppen profitierten. Für das hsCRP aber fand sich eine klare und statistisch signifikante Korrelation mit MACE: War das hsCRP nach der ersten Canakinumab-Injektion binnen 3 Monaten auf < 2 mg/L Blut gesunken, reduzierte sich das Risiko für kardiovaskuläre Komplikationen um 25 % (Hazard Ratio [HR]: 0,75; 95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [0,66; 0,85]; p < 0,0001). Bei hsCRP-Konzentrationen über diesem Grenzwert gab es dagegen keinen signifikanten Zusammenhang (HR: 0,90; [0,79; 1,02]; p = 0,11). Kardiovaskuläre Sterblichkeit und Gesamtmortalität nahmen bei hsCRP-Konzentrationen < 2 mg/L um 31 % ab (HR jeweils: 0,69; p jeweils < 0,0005). Ähnliche Zusammenhänge fanden sich für eine Reduktion des hsCRP um mindestens 50 % des Ausgangswerts.

Fazit: Bei KHK-Hochrisikopatienten korreliert die Reduktion des hsCRP um mindestens 50 % des Basiswerts oder auf < 2 mg/L Blut nach einer ersten Dosis Canakinumab mit einem Ansprechen, sodass dieser Entzündungsbiomarker als prädiktiver Parameter verwendet werden kann, um Patienten mit einer hohen Ansprechwahrscheinlichkeit auf weitere Antikörperinjektionen zu selektieren. Da Canakinumab keinen Einfluss auf andere kardiovaskulär relevante Faktoren wie die Blutlipidkonzentration hat, gelten die Ergebnisse der Studie als weiterer Beleg für die Bedeutung eines Entzündungsgeschehens an atherothrombotischen Prozessen und für eine therapeutische Beeinflussbarkeit der Prognose durch antientzündliche Medikamente. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Ridker PM, et al.: Antiinflammatory therapy with canakinumab for atherosclerotic disease. N Engl J Med 2017; 377: 1119–23.
  2. Ridker PM, MacFadyen JG, Everett BM, et al.: Relationship of C-reactive protein reduction to cardiovascular event reduction following treatment with canakinumab: a secondary analysis from the CANTOS randomised controll trial. Lancet 2017; http://dx.doi.org/10.1016/S0140–6736(17)32814–3.

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