ArchivDeutsches Ärzteblatt5/2018Bürgerversicherung: Irreparabler Schaden
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Die Bürgerversicherung wäre ein unverantwortliches Experiment mit irreparablem Folgeschaden. Es ist doch unglaublich: Nachdem die Bürgerversicherung nach der Bundestagswahl von der Bildfläche verschwunden war, dann aber die Koalitionsverhandlungen mit den Grünen und der FDP geplatzt sind, zieht die SPD die Bürgerversicherung wieder aus ihrer verstaubten Mottenkiste.

Wir haben ein Gesundheitssystem, um das wir sowohl im europäischen Ausland als auch vielfach weltweit beneidet werden. Die medizinische Versorgung ist im weltweiten Vergleich hervorragend, lässt alle Bürger am medizinischen Fortschritt teilhaben – weit mehr, als es in den meisten Industrieländern der Fall ist. Und ein solch wirksames Gesundheitssystem, das nur durch das Zusammenspiel von gesetzlicher Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) und privater Kran­ken­ver­siche­rung (PKV) gewährleistet wird, will die SPD nun leichtfertig riskieren.

„Bürgerversicherung“ klingt zwar schön, das ist aber auch das einzig Schöne daran. Die Bürgerversicherung steht für ein Einheitssystem mit eingeschränktem Leistungskatalog, wenig Selbstbestimmung der Patientinnen und Patienten und ebnet den Weg in eine zunehmende Rationierung von Gesundheitsleistungen.

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Und das Schlimmste ist: Wenn man nach einigen Jahren einsehen wird, dass die Bürgerversicherung zu einer Verschlechterung der medizinischen Versorgung geführt hat, lässt sich die Entscheidung nicht mehr rückgängig machen. Denn: Die Strukturen des dualen Gesundheitssystems sind dann zerstört und dieser Schaden ist irreparabel.

Angesagt und indiziert ist nicht ein unverantwortliches Experiment wie die Bürgerversicherung, sondern die kontinuierliche Weiterentwicklung und Verbesserung unseres dualen Gesundheitssystems.

Dr. med. Rainer Hakimi, 70199 Stuttgart

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