ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2018Altenpflege: Mängel bei Schmerzversorgung

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Altenpflege: Mängel bei Schmerzversorgung

Dtsch Arztebl 2018; 115(6): A-226 / B-198 / C-198

Beerheide, Rebecca

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Alle drei Jahre erhebt der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Qualität der pflegerischen Versorgung in Altenheimen und bei Pflegediensten. Nach aktuellen Zahlen steigt die Versorgungsqualität zwar kontinuierlich, aber oftmals werden Wunden und Schmerzen weiterhin schlecht versorgt.

Die Wundversorgung im Altenheim hat sich im Vergleich zu Zahlen von vor drei Jahren eher wieder verschlechtert. Foto: LUMIERES/stock.adobe.com
Die Wundversorgung im Altenheim hat sich im Vergleich zu Zahlen von vor drei Jahren eher wieder verschlechtert. Foto: LUMIERES/stock.adobe.com

Bei der Wundversorgung und der Schmerzerfassung gibt es deutliche Mängel in den 13 600 stationären Pflegeheimen in Deutschland. Bei den 13 300 ambulanten Pflegediensten gibt es Probleme bei der Intensivpflege und der Beratung der Pflegebedürftigen. Das zeigt der 5. Qualitätsbericht des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen und ihres Medizinischen Dienstes (MDS) für 2016, der Ende Januar in Berlin vorgestellt wurde. Grundlage des Berichts sind Daten aus 26 000 Qualitätsprüfungen. Zuletzt wurden die Daten 2010 und 2013 erhoben.

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Die Überprüfungen verdeutlichen steigende Anteile von Pflegebedürftigen, die unter Demenz leiden, chronische Schmerzen haben oder eine Inkontinenzversorgung benötigen. So brauchen 37,1 Prozent der Bewohner von Pflegeeinrichtungen eine Schmerzerfassung. Allerdings ist sie nur bei 82,1 Prozent der Betroffenen erfolgt. Bei sechs Prozent der Bewohner war eine Wundversorgung notwendig: Bei 24,4 Prozent von ihnen wurde sie aber nicht ausreichend umgesetzt. Hier sehen die Prüfer eine deutliche Verschlechterung gegenüber dem letzten Qualitätsbericht.

Besserung beim Dekubitus

Verbesserungen registriert der Bericht bei der Dekubitus-Vorbeugung: 43,7 Prozent der Heimbewohner hatten ein Risiko von Druckgeschwüren; 80,7 Prozent wurden angemessen behandelt. Dieses Niveau sei nicht zufriedenstellend, urteilten die Prüfer. Der Anteil der Bewohner, bei denen freiheitseinschränkende Maßnahmen wie Bettgitter oder Gurte eingesetzt wurden, ist von 12,5 Prozent auf 8,9 Prozent zurückgegangen. Ziel müsse aber ein weiterer Rückgang sein, so die Prüfer. Erstmals wurden auch die Abrechnungen der ambulanten Dienste überprüft. Fast sieben Prozent zeigten deutliche Auffälligkeiten bei der Rechnungslegung.

„Auch wenn noch einiges zu tun ist, entwickelt sich die Pflegequalität insgesamt in die richtige Richtung“, erklärte Gernot Kiefer, Vorstand des GKV-Spitzenverbandes. Er mahnte, die Bedingungen für die Pflegekräfte zu verbessern und die Transparenz über die Pflegequalität auszubauen. „Derzeit arbeitet die Wissenschaft an einem neuen System und wir erwarten, dass wir Ende dieses Jahres mit der Umsetzung beginnen können. Schlechte Qualität soll sich, anders, als es bei den Pflegenoten möglich war, nicht mehr verstecken können“, erklärte Kiefer. Nach heftiger Kritik hatte die Politik die Selbstverwaltung zuletzt aufgefordert, die Noten zu überarbeiten.

„Die Berichtsergebnisse zur Versorgungsqualität zeigen, dass weitere Verbesserungen notwendig sind“, betonte Dr. rer. oec. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. Ohne systematische Schmerzerfassung könnten Medikamentengaben nicht angepasst werden. Dennoch zeige der Bericht, dass „die Mehrheit der Pflegebedürftigen entsprechend der Anforderungen an eine gute Pflege versorgt wird“.

Suche nach Personalmodell

Beim Thema Personalmangel machen Pick und Kiefer deutlich, dass es bislang keine anerkannten wissenschaftlichen Instrumente gebe, wie die Bemessung von Personalquoten funktionieren könne. Derzeit entwickele die Universität Bremen ein entsprechendes Modell. „Dies ist keine triviale Aufgabe“, erklärte Kiefer vom GKV-Spitzenverband. Nach seiner Aussage müssen bei einem Modell die unterschiedlichen Bedarfe der pflegebedürftigen Menschen in einer Einrichtung abgebildet werden, die sich aber ständig verändern könne. Außerdem müssten die unterschiedlichen Berufe, die in einer Pflegeeinrichtung arbeiten, abgebildet werden. Dazu gehören neben Pflegekräften auch Pädagogen oder Therapeuten, so Kiefer. Für Pick ist es wichtig, dass die Pflegekräfte dort eingesetzt werden, wo sie gebraucht werden. Beispielsweise gebe es immer mehr Patienten mit Demenz oder Mehrfacherkrankungen. Auch müssten die Nachtschichten in Einrichtungen personell deutlich besser ausgestattet werden.

„Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt für Pflegekräfte hat sich über die Jahre aufgebaut und kann nun nicht in wenigen Monaten verbessert werden“, sagte Pick mit Blick auf die Koalitionsverhandlungen.

Rebecca Beerheide (mit Agenturmaterial)

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