ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2018Fehlbildungsrisiko: Hoher Blutzucker in der Frühschwangerschaft führt zu angeborenen Herzfehlern

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Fehlbildungsrisiko: Hoher Blutzucker in der Frühschwangerschaft führt zu angeborenen Herzfehlern

Dtsch Arztebl 2018; 115(6): A-251 / B-217 / C-217

Meyer, Rüdiger

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Foto: luna/stock.adobe.com
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Ein erhöhter Blutzucker während der Organentwicklung im ersten Trimenon ist auch dann mit einem erhöhten Risiko für angeborene Herzfehler beim Neugeborenen verbunden, wenn die Schwangere nicht an Diabetes erkrankt ist (1).

Seit Längerem ist bekannt, dass ein Schwangerschaftsdiabetes mit einem erhöhten Risiko für kongenitale kardiale Defekte einhergeht. Das Diabetes-Screening könnte hierfür indes zu spät kommen. Es wird zum Beispiel hierzulande zwischen der 24. und der 28. Schwangerschaftswoche angeboten. Herzfehler entstehen bereits in der 4. bis 10. Woche während der Morphogenese des Herzmuskels.

Ein Team um James Priest von der Stanford University hat deshalb die Daten von Frauen analysiert, bei denen bereits in der Frühschwangerschaft der Blutzucker bestimmt oder ein Glukosebelastungstest durchgeführt wurde. Dies war bei 9,2 % der Schwangeren der Fall, die bei Stanford Healthcare und bei 14,8 % derer, die bei Geisinger Health System versichert waren.

Die Analyse belegt die Assoziation von erhöhtem Blutzucker der Mutter und gesteigerter Herzfehlerrate bei den Kindern. Priest ermittelte pro Anstieg des Blutzuckers um 10 mg/dl eine Zunahme der Herzfehler um 8 %. Die Odds Ratio (1,079) war für die Gesamtgruppe der Frauen signifikant, das Risiko blieb nach Ausschluss von Frauen mit bekanntem Diabetes unverändert (OR: 1,086).

Fazit: Da die Glukosetests bei den Frauen vermutlich klinischer Verdachtsmomente wegen erfolgte (diese wurden indes nicht ermittelt), sind die Ergebnisse nicht unbedingt repräsentativ. Der nächste Schritt sollte nach Ansicht von Priest deshalb eine prospektive Studie sein, in der bei allen Frauen in der vulnerablen Phase der Organentwicklung der Blutzucker bestimmt und mit der späteren Rate von Herzfehlern verglichen wird. Dann müsste zudem nachgewiesen werden, dass eine Blutzuckersenkung auch das Risiko senkt. Rüdiger Meyer

Helle EIT, et al.: First Trimester Plasma Glucose Values in Women without Diabetes are Associated with Risk for Congenital Heart Disease in Offspring. The Journal of Pediatrics (online) 15. Dezember 2017

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