ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2018Notfallversorgung: Eine Anlaufstelle für Patienten

POLITIK

Notfallversorgung: Eine Anlaufstelle für Patienten

Dtsch Arztebl 2018; 115(6): A-228 / B-200 / C-200

Korzilius, Heike; Maybaum, Thorsten

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Bei Beschwerden direkt in die Krankenhausnotaufnahme: So verhalten sich nach einer Krankenkassenumfrage vor allem jüngere Menschen. Damit Patienten dort behandelt werden, wo es für ihre Erkrankung angemessen ist, fordern Gesundheitsexperten eine zentrale Anlaufstelle.

Überfüllte Notaufnahmen: Vielen Patienten, die bei gesundheitlichen Beschwerden direkt ins Krankenhaus gehen, könnte ein niedergelassener Haus- oder Facharzt ebenso gut helfen. Foto: dpa
Überfüllte Notaufnahmen: Vielen Patienten, die bei gesundheitlichen Beschwerden direkt ins Krankenhaus gehen, könnte ein niedergelassener Haus- oder Facharzt ebenso gut helfen. Foto: dpa

Notfall Notfallversorgung: Die möglichen Koalitionäre aus Union und SPD haben das Thema auf die politische Agenda gesetzt. Sie wollen die Zusammenarbeit zwischen Krankenhäusern und kassenärztlichem Bereitschaftsdienst verbessern, damit Patienten künftig dort behandelt werden, wo es für ihre Erkrankung angemessen ist. Das soll verhindern, dass weiterhin Bagatellfälle die Notaufnahmen verstopfen.

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Bereits im vergangenen September hatte der Sachverständigenrat (SVR) zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen in einem Werkstattgespräch einen Entwurf zur Reform der Notfallversorgung in Deutschland vorgestellt. Das fertige Konzept soll im Frühsommer dem Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vorgelegt werden. Das bekräftigte SVR-Mitglied Prof. Dr. rer. oec. Jonas Schreyögg am 31. Januar bei einer Veranstaltung des GKV-Spitzenverbands in Berlin. Zugleich verwies der Gesundheitsökonom darauf, dass der SVR Anregungen aus dem Werkstattgespräch aufgegriffen und sein Konzept weiterentwickelt habe.

Der Sachverständigenrat präferiere nach wie vor eine auch räumlich integrierte Notfallversorgung in eigens dafür eingerichteten Notfallzentren an ausgewählten Krankenhäusern, sagte Schreyögg. Diese Integrierten Notfallzentren (INZ) sollten gemeinsam vom Krankenhaus und der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) getragen und über einen separaten Finanztopf für die sektorenübergreifende Notfallversorgung finanziert werden. Die Schlüsselposition für die Steuerung der Patienten soll nach dem Willen des SVR eine zentrale Leitstelle haben. Separate Telefonnummern für den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst (116 117) und den Rettungsdienst (112) gäbe es dann nicht mehr. In den Leitstellen soll erfahrenes medizinisches Personal die Patienten an die für ihre Beschwerden richtige Stelle lotsen. „Ziel ist, dass möglichst wenige Patienten die INZ aufsuchen. Und wenn sie kommen, dann mit Termin“, sagte Schreyögg. Über die INZ-Standorte sollen die Länder entscheiden.

Ein ähnliches Konzept hatten im vergangenen Jahr auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der Marburger Bund vorgestellt. Es sieht ebenfalls vor, dass es für Notfallpatienten künftig nur noch eine zentrale Anlaufstelle an den Krankenhäusern gibt. Sie soll unter ärztlicher Leitung gemeinsam von den Kliniken und den KVen betrieben werden.

Notdienst nicht an allen Kliniken

Auch die Kassen befürworteten in der Notfallversorgung das Modell des gemeinsamen Tresens, an dem die Triage der Patienten vorgenommen wird, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg, jetzt in Berlin. Er kündigte zudem an, dass der Gemeinsame Bundes­aus­schuss die Arbeiten am Notfallstufenkonzept für die Krankenhäuser in Kürze abschießen wird. Es soll erstmals Mindeststandards für die Teilnahme von Krankenhäusern an der Notfallversorgung festlegen. „Krankenhäuser ohne Intensivstation sollten nicht am Notdienst teilnehmen“, betonte von Stackelberg.

An wen sich die Menschen in medizinischen Notfällen außerhalb der Praxisöffnungszeiten wenden, ist offenbar auch eine Frage des Alters. Das ergab eine Umfrage der Technikerkrankenkasse unter 1 000 Menschen ab 18 Jahre. 44 Prozent der 18- bis 39-Jährigen gaben an, in den vergangenen drei Jahren Hilfe in einer Notaufnahme gesucht zu haben. Bei den 40- bis 59-Jährigen waren es 35 Prozent und bei den 60- bis 70-Jährigen nur 24 Prozent. Heike Korzilius, Thorsten Maybaum

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 08:52

Neue Ämter will das Land

" Für seine medizinische Leistung, die in Punkten abgerechnet wird, bekommt er pro Punkt - so lange das Budget reicht - 4,1 Cent. Ist es damit vorbei, sinkt der Punktwert auf 0,07 Cent. 1.000 Punkte hat Reiher an diesem Tag gesammelt - für 70 Cent Honorar." [https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/70-cent-honorar-fur-einen-tag-und-100-patienten]

"Abklärungspauschale. Dabei entscheidet ein Arzt, ob der Notfallpatient zu einem niedergelassenen Arzt geschickt werden kann, oder ob er weiter stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Die Pauschale wird tagsüber mit 4,74 Euro honoriert und nachts mit 8,42 Euro." [https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/04/20/kliniken-streiten-mit-aerzten-und-kassen-um-2-minuten-honorar]

Die Hinweise zur Abrechnung von Notfallversorgungen der KVNO weden nicht mehr öffentlich angezeigt.

[https://www.kvno.de/downloads/honorar/notfall_abrechnung.pdf]

"Befinden Sie sich in einer lebensbedrohlichen Notfallsituation, wenden Sie sich bitte sofort an die Rettungsleitstelle unter der Tel.-Nr.: 112". ist der leitende Hinweis der KVWL. "Wenn Sie einen Arzt brauchen und nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können,..." gibt dann auf zweiter Ebene Rat.
[https://www.kvwl.de/patient/notdienste/]

Notfalldienstpraxen - Standorte (Google Karte) zeigt für Lippstadt zwei Notfallpraxen an. Stimmt das?

Externe Expertise ist gefordert um den gordischen Knoten der Notfallversorgung zu lösen. Im HAUSARZT wird gefordert: "Die führenden Nullen müssen weg." Wie wahr.

Mit neuen Ämtern und Zuständigkeiten löst die große Koalition nicht die bestehenden Probleme. Die Gier nach Ämtern kennzeichnet bereits die ersten Handlungen in neuer gemeinsamer Verantwortung.

Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 08:33

Zentralisierung der Zentralisierung

Der Anstieg der Konsultationen in Krankenhausambulanzen und der Rettungseinsätze hat seinen Angelpunkt in der Zentrallisierung der Kassenärztlichen Notdienste. Eine bis zur Entwicklung eigener Notdienstzentralen gereifte und befriedigende Versorgungsstruktur wurde e cathetra zentralisiert.
Der "Start verlief holperig". Die Umlagekosten für Kassenärzte sind angestiegen. Paitenten bevorzugen die Krankenhausambulanz wenn nebendran die kassenärztliche Ambulanz liegt.

Die gewachsenen Notfalleinrichtungen hatten zwei Sonografiegeräte, Ärzte zweier Grundausrichtungen (konservative Medizin/operative Medizin) wurden im Dienstplan gemeinsam eingesetzt. Es gab Instrumentarium für die Fachärzte. Das ist nun alles weg. Seniorkollegen hätten gerne chirurgisches Besteck, natürlich die Sonografiegerräte angekauft. Das ging so nicht mit der Kassenärztlichen Vereinigung.

Notaufnahmen und Notfallambulanzen selektieren effizient Patienten hoher Drnglichkeit. Warum eine Zentrale der Zentralen vorschalten.

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