ArchivDeutsches Ärzteblatt6/2018Spenderhornhäute: Verzicht auf die „Tupferprobe“

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Spenderhornhäute: Verzicht auf die „Tupferprobe“

Dtsch Arztebl 2018; 115(6): A-242 / B-206 / C-206

Richter-Kuhlmann, Eva

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Die „Richtlinie zur Gewinnung von Spenderhornhäuten und zum Führen einer Augenhornhautbank“ ist novelliert.

Die Augenhornhauttransplantation ist die weltweit häufigste Transplantation beim Menschen und stellt medizinisch einen Routineeingriff dar. Foto: Science Photo Library/PHANIE VOISIN
Die Augenhornhauttransplantation ist die weltweit häufigste Transplantation beim Menschen und stellt medizinisch einen Routineeingriff dar. Foto: Science Photo Library/PHANIE VOISIN

Nicht lange nach der Veröffentlichung der „Richtlinie zur Gewinnung von Spenderhornhäuten und zum Führen einer Augenhornhautbank“ im Jahr 2014 erreichten die Bundes­ärzte­kammer kritische Rückmeldungen. Augenärztliche Kolleginnen und Kollegen wiesen darauf hin, dass es durch die – entsprechend der Richtlinie durchzuführende – sogenannte „Tupferprobe“ (Bindehautabstrich im Rahmen der Entnahme von Hornhäuten) zu Importschwierigkeiten für Spenderhornhäute käme. Dies sei problematisch, da es in Deutschland an Augenhornhautspenden mangele und Augenhornhäute aus dem Ausland importiert werden müssten. Die Tupferprobe entspreche nicht dem internationalen Standard, monierten viele Augenärzte. Nichtsdestotrotz hatte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) seinerzeit sein gemäß § 16 b Transplantationsgesetz (TPG) notwendiges Einvernehmen zu der Richtlinie davon abhängig gemacht, dass die „Tupferprobe“ Bestandteil der Augenhornhaut-Richtlinie wird.

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Dies hat sich jetzt geändert: Die Richtlinie ist novelliert und vom PEI gebilligt worden – ohne „Tupferprobe“. Wie kam es dazu? Bereits Anfang 2016 beschloss der Vorstand der Bundes­ärzte­kammer im Rahmen der turnusgemäßen Aktualitätsprüfung auf Empfehlung seines Wissenschaftlichen Beirats eine umschriebene Fortschreibung der Richtlinie und richtete einen Arbeitskreis ein, der den allgemein anerkannten Stand der medizinischen Wissenschaft im Einvernehmen mit dem PEI feststellen sollte. „Die gemeldeten Importschwierigkeiten wiesen einen direkten Zusammenhang mit der „Tupferprobe“ auf“, berichtet Prof. Dr. med. Thomas Reinhard, Direktor der Universitäts-Augenklinik Freiburg und Vorsitzender des Arbeitskreises, dem Deutschen Ärzteblatt. Zudem habe die Tupferprobe nach Auswertung aktueller Daten weder im Hinblick auf die Effektivität noch auf die Sicherheit wissenschaftlich fassbare Vorteile bei der Hornhauttransplantat-Konservierung aufgewiesen.

Konservierung geändert

Doch überarbeitet wurde die Richtlinie nicht nur bezüglich der „Tupferprobe“, sondern auch bezüglich des Belassens des Hornhauttransplantats im Konservierungsmedium. Während der Konservierung wird die Qualität der Hornhaut geprüft, darunter Zahl und Vitalität der an die Deszemet-Membran angrenzenden Endothelzellschicht, die den Hydratationszustand der Cornea reguliert und damit deren Transparenz sicherstellt. Soll die Hornhaut für alle Formen von Keratoplastiken verwendet werden können, muss die Zellzahl im Zentrum des Endothels bei der Endprüfung mindestens 2 000/mm2 betragen. Der Arbeitskreis integrierte ein Belassen des Transplantats im Konservierungsmedium (Medium I) für die DMEK (Descemet Membrane Endothelial Keratoplasty). Anders sieht es für das Medium II aus, das zur Entquellung der Transplantate verwendet wird. „Das enthaltene Dextran schädigt die innerste Schicht des Transplantats“, erläutert Reinhard. „Für die hintere lamelläre Hornhauttransplantation, bei der nur Deszemet und Endothel vom Spender gewonnen werden, ist eine stromale Entquellung nicht erforderlich.“

Die fortgeschriebene Richtlinie beinhaltet auch Änderungen bezüglich der Notfalltransplantate. „Für Notfälle sollen auch Transplantate mit weniger als 2 000 Endothelzellen pro mm2 verwendbar sein“, betont der Arbeitskreisvorsitzende. Diese seien in den meisten Hornhautbanken der Sektion Gewebetransplantation und Biotechnologie jederzeit verfügbar. „Möglicherweise ist die Überlebenszeit des Transplantates eingeschränkt, allerdings trägt ein Notfalltransplantat dazu bei, das Risiko für einen Augapfelverlust durch die Wartezeit auf ein elektives Transplantat zu minimieren“, so Reinhard.

Die novellierte Richtlinie hat für viele Ärzte und Patienten eine große Bedeutung. Denn Tausende benötigen jährlich in Deutschland eine neue Cornea, um ihre Sehfähigkeit nach einem Unfall oder der Manifestation angeborener oder degenerativer Erkrankungen wiederherzustellen. Rund 7 000 Corneatransplantationen gibt jährlich sowie 27 Hornhautbanken, in denen die Gewebe konserviert und geprüft werden. Die Augenhornhauttransplantation zählt zu den erfolgreichsten Transplantationen. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

Die Richtlinie im Internet:
http://daebl.de/HG79

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Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 01:17

requested URL Organspende not found

DSO-Schulungsmodul:
"Not Found

The requested URL /uploads/tx_dsodl/DSO_Leitfaden_Organspende_01_2012.pdf was not found on this server."
Avatar #539999
klausenwächter
am Samstag, 10. Februar 2018, 01:13

Kritischer Pfad

Probleme in der Organspende lassen im kritishcen Pfad der hier durch eine nicht wegklickbare gelbe Werbung überdeckt wird, Mängel erkennen. A



Die Fortbildungen der DSO gehören ebenso auf den Prüfstand. Unnötige Fremdwörter (Item gehört in die die IT-Fachsprache), Fenster hinter welchen die relevante Information in zweiter Reihe steht und ein besonderes Detusch "nur einmal und zwar nach der zweiten (Modul irreversibler Hirnausfall, nicht nummerierte Folie) verlangen nach einer externen Beratung der Stiftung. Da kann schon ein Germanist, der Einfachdeutsch für's Museumsbesucher schreibt, helfen.
Lehrtexte und Fragen sind nicht lernfördernd miteinander verbunden. Die Fortbildungsnummer wird nicht erfaßt. Das Zertifikat wird nicht automatisch erstellt.

Wenn die Schulungen des Krankenhauspersonals den Fortbildungsmodulen entsprechen, dann wird eine gegenüber vielen intensivmedizinischen Verfahren einfache Prozedur didaktisch ungenügend vermittelt.

Mit der Sperrung von Fördermitteln, kann sich in Anbetracht der beständig zurückgehenden Spenderzahlen, die notwendige Denkpause zur Neuorganisation ergeben.
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