ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2018Gesundheitsmonitoring: Depressiv Erkrankten fehlt Unterstützung

AKTUELL

Gesundheitsmonitoring: Depressiv Erkrankten fehlt Unterstützung

PP 17, Ausgabe Februar 2018, Seite 52

Hillienhof, Arne

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

In Deutschland geben 11,3 Prozent der Frauen und 8,1 Prozent der Männer an, innerhalb eines Jahres psychotherapeutische oder psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen zu haben. Das berichten Wissenschaftler des Robert Koch-Instituts (RKI) im neuen Journal of Health Monitoring. Sie stützen sich dabei auf eine bundesweite Befragung der erwachsenen Bevölkerung, die das RKI im Rahmen des bevölkerungsbezogenen Gesundheitsmonitorings durchführt. Die „GEDA 2014/2015-EHIS-Studie“ basiert auf einer Zufallsstichprobe aus den Bevölkerungsregistern von 301 Gemeinden in Deutschland und schließt 24 016 Teilnehmer ein.

Bei Befragten mit depressiver Symptomatik hatte danach nur etwa ein Drittel Kontakt zu Psychiatern oder Psychotherapeuten. „Im Umkehrschluss haben rund zwei Drittel der Personen mit bestehender depressiver Symptomatik in den letzten zwölf Monaten keine professionelle Hilfe gesucht“, betonen die Autoren. Dies sei „sehr bedenklich und erfordert vermehrte Anstrengungen, hier Abhilfe zu schaffen“, sagte RKI-Präsident Lothar Wieler.

Die regionale Verteilung von Leistungserbringern scheint bei der Inanspruchnahme eine besondere Rolle zu spielen: In Regionen mit einer hohen Dichte von Psychiatern und Psychotherapeuten liegt der Anteil der Personen mit depressiver Symptomatik, die Hilfe nutzen, etwa 15 Prozentpunkte höher als in Regionen mit geringer Versorgungsdichte.

Anzeige

Besonders problematisch erscheint den Autoren, dass bezogen auf alle erfassten Depressionspatienten bis zwei Drittel von ihnen unspezifische Diagnosen ohne Schwere-gradkodierung erhielten. „Ob in diesen Fällen von einer leitliniengerechten Behandlung ausgegangen werden kann, die eine präzise Schweregradeinstufung und häufig eine fachärztliche Abklärung erfordern würde, ist fraglich und sollte in weiterführenden Studien genauer untersucht werden“, so die RKI-Autoren. hil

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema