ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2018Kognitive Verhaltenstherapie: Onlinetherapie gegen Schlafstörungen

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Kognitive Verhaltenstherapie: Onlinetherapie gegen Schlafstörungen

PP 17, Ausgabe Februar 2018, Seite 71

Hillienhof, Arne

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Eine kognitive Verhaltenstherapie, die über das Internet durchgeführt werden kann, könnte nicht nur dabei helfen, Schlafprobleme zu verringern, sondern auch, bestimmte psychiatrische Symptome zu lindern. In The Lancet Psychiatry berichten Wissenschaftler um Erstautor Daniel Freeman von der University of Oxford über die Methode.

Schlafprobleme sind ein weit verbreitetes Problem. Verbesserung der Schlafhygiene, Entspannungstechniken und pharmakologische Ansätze können helfen, diese zu beheben. Als eine äußerst wirksame Therapiemethode gilt auch die kognitive Verhaltenstherapie. Sie kann zumindest im Falle von Schlafstörungen auch über bestimmte Internetportale durchgeführt werden. Die Wirksamkeit dieser Onlineangebote wird momentan noch im Rahmen von Studien evaluiert.

In dieser Studie randomisierten die Wissenschaftler 3 755 Studierende mit Schlafproblemen in zwei unterschiedliche Gruppen. Die Interventionsgruppe machte über insgesamt zehn Wochen eine kognitive Verhaltenstherapie über das Internet, während die Kontrollgruppe keine therapeutische Intervention erhielt. Die interaktive Onlinetherapie bestand aus sechs Sitzungen, die mindestens 20 Minuten dauerten und wöchentlich freigeschaltet wurden. Alle Teilnehmer wurden während der zehn Wochen regelmäßig zu ihrem Schlafverhalten und anderen psychiatrischen Symptomen wie Depressionen, Manie oder Paranoia befragt. 22 Wochen nach der ersten Intervention erfolgte eine Kontrollbefragung. 18 Prozent aller Studenten hatten mindestens einmal psychiatrische Hilfe in Anspruch genommen. In der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich, dass die Intervention die Schlaflosigkeit der Teilnehmer verminderte. Darüber hinaus verbesserte sich eine Reihe von psychiatrischen Symptomen wie Paranoia, Depression und sogar Halluzinationen. In einer Analyse stellten die Wissenschaftler fest, dass rund 60 Prozent der Verringerung paranoider Symptome dem verbesserten Schlaf zuzurechnen sei. Sie gehen davon aus, dass die Onlinetherapie in der Behandlung von Schlafproblemen helfen kann. Die Ergebnisse würden außerdem darauf hinweisen, dass eine Verbesserung des Schlafes das Auftreten von psychiatrischen Symptomen vermindert. Dies könnte darauf hinweisen, dass Schlaflosigkeit bei psychiatrischen Erkrankungen nicht nur eine Begleiterscheinung, sondern auch ein kausaler Faktor sein könnte, so die Autoren. hil

Freeman D, Sheaves B, Goodwin G et al.: The effects of improving sleep on mental health (OASIS): a randomised controlled trial with mediation analysis. The Lancet psychiatry 2017;
doi: 10.1016/S2215–0366 (17) 30328–0

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