ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2018Kinder- und Jugendliche: Fundierte Hilfe bei der Diagnosestellung

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Kinder- und Jugendliche: Fundierte Hilfe bei der Diagnosestellung

PP 17, Ausgabe Februar 2018, Seite 83

Roepke, Christine

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Die geänderte Psychotherapie-Richtlinie fordert uns Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten auf, innerhalb von ein bis zwei Sprechstunden zu einer ersten diagnostischen Einschätzung zu kommen. Die Autorinnen machen in diesem Buch deutlich, welche Herausforderung es ist, eine fundierte psychodynamische Diagnose zu erstellen, die geeignet ist für eine Behandlungsindikation und eine daraus abzuleitende Behandlungsplanung. Beide Autorinnen schöpfen dabei aus jahrzehntelanger klinischer Erfahrung mit Kindern, Jugendlichen und Familien, die auch in den zahlreichen Fallvignetten zum Ausdruck kommt.

Teil 1 des Buches greift gründlich und umfangreich die theoretischen Grundlagen auf, die ein Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut braucht, um das im zweiten Teil des Buches genau beschriebene Testmaterial fundiert verwenden zu können. Das Verständnis von „Beziehung als Dreh- und Angelpunkt psychotherapeutischer Arbeit“ durchzieht in überzeugender Weise ihre Ausführungen. Besonders hervorgehoben wird, dass ein tiefes Verständnis von komplizierten Beziehungsdynamiken wie Projektion und projektive Identifikation von grundlegender Bedeutung für die Erfassung und diagnostische Einschätzung ist. Während theoretische Grundlagen wie „Symbolisieren, Mentalisieren, Repräsentieren“, „Szene und szenisches Verstehen“, „Spiel und Zusammenspiel“, „Abwehrmechanismen und Widerstand“ gut verständlich erklärt werden, kommt die differenzierte Berücksichtigung des Entwicklungsstandes des Kindesoder Jugendlichen nicht zu kurz. Im Kapitel „Auswertung von unbewusstem Material“ werden der phänomenologischen Betrachtungsweise der ICD-10-Diagnostik die psychodynamischen Auswertungsebenen und das Instrument der operationalisierten psychodynamischen Diagnostik (OPD-KJ) zur Erfassung der unbewussten Konfliktdynamik gegenübergestellt.

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Achtzehn Tests, gegliedert in Zeichen-, Erzähl- und Spieltests, Bindungsdiagnostik und imaginative Verfahren, angereichert durch Abbildungen und Fallbeispiele, sowie ein umfangreicher Anhang sind dann auf der fast lehrbuchartigen Basis des ersten theoretischen Teils gut zu verstehen und praktisch anzuwenden. Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch für Ausbildung, Supervision und Antragstellung. Christine Roepke

Dagmar Lehmhaus, Bertke Reiffen-Züger; Psychodynamische Diagnostik in der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie. Brandes & Apsel Verlag, Frankfurt a. M. 2017, 320 Seiten, kartoniert, 39,90 Euro

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