ArchivDeutsches Ärzteblatt PP2/2018Tanzen: Tanz-Workshops als Ergänzung zur Einzeltherapie

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Tanzen: Tanz-Workshops als Ergänzung zur Einzeltherapie

PP 17, Ausgabe Februar 2018, Seite 83

Ringwelski, Beate

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Wer neuen Schwung in seine Verhaltenstherapie bringen will und Erfahrung im Tangotanzen hat, dem sei dieses Buch empfohlen. Die Autoren berichten von der Durchführung von meist eintägigen Tanz- Workshops für Patienten als Ergänzung zur fortlaufenden Einzeltherapie. Es geht dabei nicht etwa um Erotik, sondern um Psychoedukation, Bewegung, Kommunikation und Achtsamkeit. Dafür werden Gruppen von Patienten mit einem bestimmten Krankheitsbild und deren Partnern oder Familien gebildet. Aus den Regeln beim Tango sollen für sie hilfreiche Strategien abgeleitet werden, wobei Gesellschaftstanz als soziale Kulturtechnik verstanden wird.

Das beginnt schon mit der Art des Aufforderns beim Tango Argentino durch Blickkontakt, des langsamen Aufeinanderzubewegens, des einleitenden Small Talks und des Einnehmens der Tanzhaltung unter Beachtung der Bedürfnisse nach Nähe oder Distanz. Dann kommen die Teilnehmer in Bewegung beim „Laufen mit Musik“ entgegen dem Uhrzeigersinn und ohne andere anzurempeln. Anschließend geht es ans Erlernen der Tangoschritte, unterbrochen durch Gesprächsrunden und Informationen zum jeweiligen Krankheitsbild und zu Kommunikationstechniken, die speziell in Kleingruppen geübt werden.

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Die Autoren stellen detaillierte Manuale für die Workshops vor. Sie sind als Anregungen gedacht, wie man so einen Tag aufbauen könnte. Der Ablauf wird dem jeweiligen Krankheitsbild angepasst, wobei gerade die kleinen Unterschiede interessant sind. Kommt es beispielsweise bei der Borderlinestörung unter anderem auf das Äußern von Gefühlen an, so wird bei Schizophrenien das Validieren betont. Beim Morbus Parkinson wirken die Musik und der Partner als Stimuli für flüssigere Bewegungen und Verbesserung der Akzeptanz der Defizite. Bei der Paartherapie werden besonders die „Achtsamkeit auf den Partner“, „Ich-Botschaften“ und aktives Zuhören geübt.

Zum Schluss werden Achtsamkeitsübungen für die Tänzer angeregt, die sie zum Klang dieser eigenwilligen Musik machen können: Achtsamkeit auf Melodie oder Rhythmus, auf Körperachse oder Knie. Beate Ringwelski

Hans Gunia, Cynthia Quiroga Murcia: Tango in der Psychotherapie. Reinhardt Verlag, München 2017, 114 Seiten, kartoniert, 19,90 Euro

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