ArchivDeutsches Ärzteblatt25/1996Hausärztliche Tätigkeit: Vorfahrt für die Allgemeinmediziner

POLITIK: Deutscher Ärztetag

Hausärztliche Tätigkeit: Vorfahrt für die Allgemeinmediziner

Dauth, Sabine

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LNSLNS Mehrere Stunden lang widmeten sich die Delegierten des Ärztetages auch einer Richtungsentscheidung im Komplex Weiter­bildungs­ordnung: der über eine Neugliederung von Allgemeinmedizin und Innerer Medizin zur Lösung der Hausarzt/Facharzt-Problematik. Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe hatte betont, daß es hier zunächst nicht um eine Änderung der Weiter­bildungs­ordnung gehe, sondern um ein Votum, in welche Richtung die Weiterbildungsgänge Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit Blick auf die Zukunft modifiziert werden sollen.
Es gebe seit längerem heftige Diskussionen, "wo die guten Hausärzte sitzen", meinte Hoppe in Anspielung auf die politischen Hintergründe – und teilweise klangen diese Debatten auch auf dem Ärztetag wieder an. So meinten einige Delegierte, richtiggehende Systemänderungen liefen den Wünschen der Patienten entgegen, die Spezialisten aufsuchten und von diesen auch hausärztlich betreut würden. Die Versicherten akzeptierten die hausärztliche Versorgung so, wie sie sei, äußerte auch Dr. Wolf-Rüdiger Rudat (Lan­des­ärz­te­kam­mer Thüringen). Er habe Sorge, daß die allgemeine innere Medizin in Zukunft unter die Räder komme. Damit war er wohl nicht der einzige: Sein Y-Modell, daß eine Differenzierung von Allgemein- und Innerer Medizin nach gemeinsamer dreijähriger Weiterbildung vorsah, scheiterte nur knapp mit 107:108 Stimmen.
Die meisten Rednerinnen und Redner befaßten sich jedoch mit den möglichen Folgen einer Änderung für junge Ärztinnen und Ärzte sowie mit der Konkurrenz durch kürzer weitergebildete Allgemeinmediziner aus den europäischen Nachbarstaaten. So meinte Dr. Ulrike Wahl (Lan­des­ärz­te­kam­mer Baden-Württemberg), die Verlängerung der Weiterbildungszeit für Allgemeinmediziner von drei auf fünf Jahre bedeute eventuell eine Inländerdiskriminierung. Dem widersprach Dr. Dieter Everz (Lan­des­ärz­te­kam­mer Rheinland-Pfalz): Schließlich gelte für in- wie ausländische Ärzte die Bedarfsplanung. Werde ein Kassenarztsitz vergeben, gehe es in erster Linie um die Qualifikation der Bewerber – die sich eben auch in einer längeren Weiterbildungszeit niederschlage. Das sei falsch, behauptete Dr. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Ärztekammer Hamburg: Die Zulassungsausschüsse dürften Ausländer nicht diskriminieren und deshalb deren niedrigere Weiterbildungszeit nicht anders bewerten als die längere der deutschen Ärzte. Schließlich stellte Prof. Dr. Hoppe klar: Ausbildungs- wie Weiterbildungszeiten und -inhalte spielen sehr wohl eine Rolle bei der Vergabe von Kassenarztsitzen.


Sechs Jahre für zwei Augen
Befürworter einer Verlängerung der Weiterbildung von drei auf fünf Jahre argumentierten, man könne doch nicht für Zusatzbezeichnungen umfangreiche Qualifikationen vorschreiben und gleichzeitig die Weiterbildungszeit in der Allgemeinmedizin niedrig halten. So sagte Dr. Eckbert Finsterwalder (Ärztekammer Hamburg) mit Anspielung auf die Augenheilkunde, für ein Fach mit zwei Augen brauche man sechs Jahre, für die Allgemeinmedizin nur drei – "das ist absurd, das glaubt uns doch kein Mensch".
Heftig diskutiert wurde auch über die Einrichtung von Rotationsstellen speziell für Allgemeinmediziner im Krankenhaus und über die Bezahlung. Etliche Delegierte meinten, Weiterbildungsstellen seien knapp und würden es ob des Bettenabbaus in immer stärkerem Maß. Wenn man nun Stellen speziell für Allgemeinmediziner abzweige, gebe man diesen eine Chance – und den anderen jungen Ärzten? Andere Redner hielten dagegen: Heute trauten sich viele junge Ärztinnen und Ärzte doch gar nicht zu sagen, daß sie Allgemeinmediziner werden wollten, weil sie sonst gar keine Weiterbildungsstelle bekämen. Dr. Lothar Wittek (Bayerische Lan­des­ärz­te­kam­mer) hob noch einen weiteren Punkt hervor: Stets betonten die Ärzte, wie wichtig Qualitätssicherung sei. Dann dürfe man Entscheidungen wie die anstehende doch nicht an Stellenproblemen scheitern lassen. Sabine Dauth

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