ArchivDeutsches Ärzteblatt43/1999Meningitis: Eine Erkrankung des Kindesalters

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Meningitis: Eine Erkrankung des Kindesalters

Dtsch Arztebl 1999; 96(43): A-2761 / B-2369 / C-2201

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Zirka 40 Prozent aller bakteriellen Meningitiden werden in Deutschland durch Meningokokken (Neisseria meningitidis) verursacht. Die Erreger siedeln sich im Nasen- und Rachenraum des Menschen an und sind bei etwa fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung ohne Anhalt für klinische Symptomatik nachweisbar. Die Erkrankung tritt gehäuft im Winter und Frühjahr auf. 1998 wurden in Deutschland 730 Meningokokken-Meningitiden gemeldet. "Etwa 70 bis 80 Prozent aller bakteriellen Meningitiden betreffen das Kindesalter, vor allem die ersten beiden Lebensjahre", berichtete Prof. Wolfgang Handrick (Leipzig) auf einem Symposium der Grünenthal GmbH bei Köln. Bei Kleinkindern, so Handrick, sei neben den Meningokokken auch an Pneumokokken zu denken, bei Schulkindern und Erwachsenen zusätzlich an Borrelien und Mykoplasmen.
Aufgrund der bakteriell verursachten Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute kommt es nach Angaben von Prof. Helmut Helwig (Freiburg) zur typischen Symptomtrias mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen und Fieber: "Wenn die Symptome jedoch schleichend, unvollkommen oder untypisch auftreten, ist die Gefahr der verspäteten Erkennung besonders groß." Eine zweifelsfreie Diagnose sei nur durch sofortige Untersuchung des durch Lumbalpunktion gewonnenen Liquor cerebrospinalis möglich. Auch die klinischen Symptome erlauben einen Rückschluß auf bestimmte Erreger: "Petechien und Schock beobachtet man vornehmlich bei Meningokokken, Krämpfe überwiegend bei Pneumokokken und Haemophilus", erklärte Handrick. Um Spätschäden zu vermeiden, sollte eine symptomatische und eine kausale Therapie mit Antibiotika unterschieden werden. Für die kausale Behandlung eignen sich Cephalosporine (auch in Kombination mit anderen Betalactamantibiotika) sowie Meropenem (Meronem(r), Grünenthal); bei nachgewiesener Empfindlichkeit der Erreger auch Penicillin G. Ist die Meningitis durch Meningokokken beziehungsweise Haemophilus influenzae Typ B bedingt, wird dem nahestehenden Personenkreis eine Chemoprophylaxe empfohlen "Dies ist bei einer Exposition mit Neisseria meningitidis im Haushalt oder einer Kindertagesstätte oder bei Kontakt mit infiziertem Speichel anzunehmen", so Dr. Horst Scholz (Berlin).
Mittel der Wahl für die Chemoprophylaxe sei Rifampicin in einer Dosierung von 20 mg/kg/KG/die bis zu maximal 1 200 mg (bei Neisseria meningitidis) oder 600 mg (bei Haemophilus influenzae) in ein bis zwei Einzeldosen. Die Dauer der Chemoprophylaxe sollte bei Neisseria meningitidis zwei, bei Haemophilus influenzae vier Tage betragen. Zusätzlich zur Chemoprophylaxe hat sich laut Scholz die Immunprophylaxe bewährt. So ist die Zahl der Haemophilus-influenzae-Typ-B-Meningitiden aufgrund der HIB-Impfung deutlich zurückgegangen. "Leider gibt es gegen Meningokokken der Gruppe B, die in Deutschland am häufigsten vorkommen, keine Impfung", so Scholz.
Als spezielle Hygienemaßnahme wird empfohlen, Patienten mit Meningokokken-Meningitis im Krankenhaus für 24 Stunden nach Therapiebeginn zu isolieren. Nach Entlassung oder Verlegung des Patienten ist eine Schlußdesinfektion angezeigt. Prinzipiell gilt diese Maßnahme auch für die erstuntersuchende Einrichtung - also die ärztliche Praxis - sowie nach dem Transport für den Krankenwagen. Dagegen sind bei Pneumokokken-Meningitiden weder Isolierungs- noch besondere Hygienemaßnahmen erforderlich. zyl


Meningokokken lassen sich als gramnegative Diplokokken mikroskopisch nicht von Gonokokken und anderen Neisserien unterscheiden. Foto: Dr. Noack, Berlin-Buch

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