ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2018Öko­nomi­sierung: Vom Schlosser reparieren lassen
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Ein interessanter Artikel, der sich zwanglos in das Beschreiben eines beklagenswerten mehr und mehr enthumanisierten Gesundheitssystems anderer Autoren einfügt, ohne die eigentlichen Ursachen benennen zu wollen.

Warum wird die Politik bezüglich dieser Entwicklung exculpiert? Wer hat Worte wie „Gesundheitswirtschaft“ oder „industrielle Gesundheitswirtschaft“ kreiert? Waren es Ärzte oder Politiker? Wer hat die Voraussetzungen für Privatinvestoren und Börsengang im Gesundheitswesen und der damit zwangsläufig verbundenen Gewinnmaximierung/Öko­nomi­sierung geschaffen? Waren es Ärzte oder Politiker?

Wer hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass im Krankenhaus ökonomische Direktoren das Sagen haben, Ärzte nur zwischen Arrangieren oder Ruin wählen können und dafür auch noch die Verantwortung tragen müssen? Waren es Ärzte oder Politiker?

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Ist es verwunderlich, dass in einem solchen System selbst Arztfunktionäre sich korrumpieren lassen und sich arrangieren?

Ist die Patientensicherheit von dieser Entwicklung betroffen? Ja! Hygienemissstände, Personalmangel mit nachfolgenden Problemen, Verletzung vorbeugender Maßnahmen sollen nur beispielhaft für viele Details genannt sein.

„Die Lehre der Ehrfurcht vor dem Leben“ (Albert Schweitzer, 1952) wurde in den letzten 20 Jahren weitgehend politisch gewollt ausgemerzt. Ob sich das ändern lässt? Ja! Ob das Geld kostet? Ja! Ist das Geld vorhanden? Ja! Müssen wir andere Länder militärisch bekehren? Nein! (Die Schweiz braucht so etwas auch nicht.) Würde dieses Geld umverteilt werden können? Ja! Würde es ausreichen? Ja!

Die politische Einsicht und Änderungsbereitschaft wird es dazu jedoch erst geben, wenn auch die Verursacher selbst in diesem System nur noch als „Werkstück mit Laufzeitbegrenzung“ behandelt werden.

Wer die Gleichstellung von Handwerkern und Ärzten wünscht, kann sein Hüftgelenk doch mal probeweise vom Schlosser reparieren oder auswechseln lassen.

Dr. med. Jacobsohn, 16321 Bernau

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