ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2018Essstörung: Zahl der Diagnosen hat deutlich zugenommen

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Essstörung: Zahl der Diagnosen hat deutlich zugenommen

Dtsch Arztebl 2018; 115(7): A-268

Hillienhof, Arne

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Einen deutlichen Anstieg der Essstörungsdiagnosen unter den 6- bis 54-jährigen AOK-Versicherten meldet das Gesundheitswissenschaftliche Institut Nordost (GeWINO) der AOK Nordost. Im Jahr 2010 wurde im Nordosten noch bei rund 3 500 Versicherten eine psychogene Essstörung wie Bulimie, Anorexie oder Binge Eating (Esssucht) diagnostiziert. 2016 waren es bereits mehr als 6 100 Versicherte. Die Anzahl der Diagnosen stieg damit innerhalb von sechs Jahren nordostweit um 74 Prozent. „Die Dunkelziffer dürfte jedoch um einiges höher liegen, da wir lediglich Personen auswerten können, die vom Arzt eine Diagnose gestellt bekommen haben“, sagte der GeWINO-Versorgungsforscher Jan Breitkreuz.

Die GeWINO weist in ihrer Auswertung ausdrücklich auch auf einen hohen Anteil diagnostizierter Essstörungen bei den 35- bis 54-jährigen AOK Nordost-Versicherten hin. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) liegt nahe, hier von chronischen Verläufen auszugehen. „Im mittleren Lebensalter kommt es zum Beispiel durch einschneidende Lebensereignisse zu einem Rückfall. Klassischerweise sind gerade die Anorexie und Bulimie Erkrankungen, die in erster Linie in der Adoleszenz entstehen“, teilte die Fachgesellschaft mit.

Die AOK-Auswertung ergab zudem, dass sich nur rund zehn Prozent der rund 5 000 Versicherten mit einer zwischen 2012 und 2014 neu festgestellten psychogenen Essstörung innerhalb von drei Jahren nach der Diagnose psychotherapeutisch behandeln ließen. „Das Gros der diagnostizierten Essgestörten bleibt leider unbehandelt“, erläuterte Breitkreuz. Die Analysen hätten ferner gezeigt, dass die Bereitschaft, sich in Therapie zu begeben, mit fortschreitender Krankheitsdauer deutlich abnehme. hil

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