ArchivDeutsches Ärzteblatt7/20185-Jahres-Überlebensraten: Weltweit gestiegen bei großen internationalen Unterschieden

MEDIZINREPORT

5-Jahres-Überlebensraten: Weltweit gestiegen bei großen internationalen Unterschieden

Dtsch Arztebl 2018; 115(7): A-290 / B-247 / C-247

Meyer, Rüdiger

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Das CONCORD-Project berücksichtigt die Daten von 37,5 Millionen Krebspatienten aus 322 Krebsregistern und 71 Ländern. Spitzenreiter sind die skandinavischen Länder.

Die 5-Jahres-Überlebensraten der meisten Krebserkrankungen sind seit dem Jahr 2000 selbst bei besonders aggressiven Malignomen von Leber und Lunge gestiegen. Eine Auswertung von 322 Krebsregistern zeigt aber auch, dass die Überlebensraten international sehr unterschiedlich sind, wobei es Defizite vor allem, aber nicht nur, in den ärmeren Ländern gibt (1).

Das an der London School of Hygiene & Tropical Medicine angesiedelte CONCORD-Project gibt nach 2008 und 2015 zum dritten Mal einen internationalen Überblick über die Qualität der Krebstherapie. Dieses Mal konnte das Team um Michel Coleman die Daten von 37,5 Millionen Krebspatienten berücksichtigen, die es 322 bevölkerungsbasierten Krebsregistern aus 71 Ländern entnahm, darunter 10 Krebsregistern aus Deutschland. Die Analyse umfasst 18 Krebserkrankungen bei Erwachsenen und Kindern.

Keine Onkologen in Nigeria

Die größten internationalen Unterschiede gibt es bei Hirntumoren von Kindern: In Dänemark und Schweden überleben heute 80 % der Kinder, während es in Mexiko und Brasilien weniger als 40 % sind. Dabei gibt es noch viele weiße Flecken auf der CONCORD-Landkarte. In Afrika dürften Kinder mit einem Hirntumor keine Überlebenschancen haben. In Nigeria soll es im ganzen Land keinen einzigen ausgebildeten Onkologen geben.

Doch auch zwischen hoch entwickelten Ländern gibt es manchmal große Unterschiede. So wird Magenkrebs in Südkorea und in Japan von mehr als 60 % der Patienten überlebt. In den meisten anderen Ländern liegt die 5-Jahres-Überlebensrate unter 30 %. Der Grund liegt in der effektiven Früherkennung, die in den beiden asiatischen Ländern weiten Bevölkerungskreisen angeboten wird. In Deutschland ist die Überlebensrate seit 2002 von 16,6 % auf 20,8 % gestiegen.

Beim Kolonkarzinom überleben in 3 Ländern mehr als 70 % der Patienten die ersten kritischen 5 Jahre: Dies sind Israel, Korea und Australien. Deutschland liegt mit 64,8 % im oberen Mittelfeld. Ein Anstieg infolge des Koloskopie-Screenings ist nicht zu erkennen.

Leberkrebs wird in keinem Land von mehr als 30 % der Patienten überlebt. In Korea, Singapur und Taiwan liegen die 5-Jahres-Überlebensraten bei über 20 %, in allen anderen Ländern darunter (in Deutschland zuletzt 13,0 %). Noch schlechter sind die Heilungschancen beim Pankreaskarzinom: Die 5-Jahres-Überlebensraten liegen in den meisten Ländern unter 15 % (Deutschland 10,7 %). Nur Kuwait (23,6 %) und Malaysia (19,0 %) verzeichnen bessere Ergebnisse.

Beim Lungenkrebs liegen die 5-Jahres-Überlebensraten in den meisten Ländern unter 20 %, so auch in Deutschland. In vielen Ländern wurden seit 1995 jedoch langsame Fortschritte gemacht: Deutschland verbesserte sich seit 2000 von 14,8 auf 18,3 %. Luft nach oben ist vorhanden. In Japan überleben heute 33 %, in Korea 25 % der Patienten mindestens 5 Jahre.

Deutschland gehört beim malignen Melanom mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von zuletzt 93,1 % zu den 11 Ländern, in denen 9 von 10 Patienten 5 Jahre oder länger leben. Auch beim Brustkrebs liegt Deutschland mit einer 5-Jahres-Überlebensrate von zuletzt 86,0 % im „Spitzenfeld“.

Prostata-Ca: Trügerische Daten

Beim Zervixkarzinom, wo die Teilnahme am Screening entscheidend ist, gehört Kuba neben Japan, Korea, Taiwan, Dänemark, Norwegen und der Schweiz zu den Ländern, in denen mehr als 70 % der Frauen 5 Jahre oder länger leben. In Deutschland betrug die Rate zuletzt 65,2 %. Das Ovarialkarzinom überleben auch in den meisten entwickelten Ländern weniger als die Hälfte der Frauen 5 Jahre oder länger (Deutschland: 41,2 %).

Beim Prostatakarzinom sind die 5-Jahres-Überlebensraten trügerisch. Sie liegen in den USA wegen des PSA-Screenings bei 100 %, was aber nicht bedeutet, dass alle Patienten überleben. Durch das Screening wird die Diagnose um Jahre früher gestellt. Ob die Behandlung am natürlichen Verlauf etwas ändert, lässt sich erst in den 10- bis 15-Jahres-Überlebensraten erkennen, zu denen keine Daten mitgeteilt werden. In Deutschland betrug die 5-Jahres-Überlebensrate zuletzt 91,6 %.

Krebspatienten in Skandinavien haben weltweit gesehen die höchsten Überlebenschancen. Diese deutlichen Verbesserungen wurden den CONCORD-Autoren zufolge in den letzten 15 Jahren durch bessere Investitionen, beschleunigte Patientenpfade und die öffentliche Überwachung der Einhaltung von Wartezeiten durch Krankenhäuser erreicht. Rüdiger Meyer

1.
Allemani, C, et al.: Global surveillance of trends in cancer survival 2000–14 (CONCORD-3). Lancet 2018; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)33326-3 CrossRef
1.Allemani, C, et al.: Global surveillance of trends in cancer survival 2000–14 (CONCORD-3). Lancet 2018; https://doi.org/10.1016/S0140-6736(17)33326-3 CrossRef

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