ArchivDeutsches Ärzteblatt7/2018Hepatitis-B- und -C-Koinfektion: Reaktivierung von Hepatitis B durch HCV-Therapie bei chronisch Infizierten häufig

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Hepatitis-B- und -C-Koinfektion: Reaktivierung von Hepatitis B durch HCV-Therapie bei chronisch Infizierten häufig

Dtsch Arztebl 2018; 115(7): A-296 / B-253 / C-253

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Es ist bekannt, dass die Therapie mit direkt wirkenden antiviralen Arzneimitteln (DAA) bei einer chronischen Infektion mit dem Hepatitis-C-Virus (HCV) zur Reaktivierung einer Hepatitis B (HBV) führen kann, wenn die Patienten zugleich chronisch HBV-infiziert (HBsAg-positiv) sind oder in der Vergangenheit eine Infektion durchgemacht haben (HBsAg-negativ; anti-HBc-positiv). Kommt es dadurch zur Hepatitis, sind die Verläufe teilweise fulminant und lebensbedrohlich. Wie häufig dies vorkommt und ob eine HBV-Prophylaxe sinnvoll ist, wird kontrovers diskutiert. Ein systematischer Review mit Metaanalyse unter Federführung der Universitätsklinik Frankfurt hat sich mit diesen Fragen beschäftigt (1).

17 Studien mit 1 621 Patienten erfüllten die Einschlusskriterien. 242 Teilnehmer hatten eine chronische HBV und 1 379 eine HBV-Infektion in der Vergangenheit. Die Patienten wurden mit DAA therapiert.

Bei 24 % der chronisch HBV-Infizierten kam es zur Reaktivierung (95-%-Konfidenzintervall [95-%- KI] [19; 30] und darunter bei 9 % zur Hepatitis [5; 16]. Bei einem Patienten dekompensierte die Leber, bei 2 Patienten entwickelte sich ein Leberversagen. Das Risiko der HBV-Reaktivierung korrelierte mit der Menge der HBV-DNA: Lag sie unter der Nachweisgrenze (< 20 IU/mL), war das relative Risiko mit 0,17 gering [0,06; 0,50]. Bei den HCV-Therapierten mit überwundener Hepatitis B hatten 1,4 % eine HBV-Reaktivierung [0,8; 2,4] und es kam bei keinem zur Hepatitis.

Fazit: Bei jedem vierten chronisch HBV-Infizierten wird die Hepatitis B reaktiviert, wenn eine Hepatitis C interferonfrei mit DAA therapiert wird. Die Reaktivierung wird damit erklärt, dass die immunvermittelte Hemmung der HBV-Virusvermehrung durch das Hepatitis-C-Virus wegfällt. Denn DAA unterdrücken die HCV-Replikation sehr rasch und effektiv, wirken aber nicht gegen gegen HBV.

In den europäischen Leitlinien (2) wird ein HBV-Test vor HCV-Therapie mit DAA empfohlen und gegebenfalls ein HBV-Monitoring, was nach Meinung der Autoren durch die Daten der Studie gestützt wird. Bei chronisch HBV-Infizierten sei wegen der häufigen Reaktivierung eine HBV-Prophylaxe für 1 Jahr mit Entecavir oder Tenofovir zu erwägen, um schwere Verläufe zu verhindern, vor allem bei HBV-DNA-Nachweis. Ließen sich HBV-Antikörper nachweisen, aber kein HBs-Antigen, reiche ein Monitoring auf Basis der Leberenzyme oder HBV-DNA oder beidem. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

  1. Mücke MM, Backus LI, Mücke VT, et al.: Hepatitis B virus reactivation during direct-acting antiviral therapy for hepatitis C: a systematic review and meta-analysis. Lancet Gastroenterol Hepatol 2018; DOI: https://doi.org/10.1016/S2468–1253(18)30002–5.
  2. EASL recommendations on treatment of hepatitis C 2016. http://daebl.de/XR37.

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