ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Stellenwert der Ergometrie wird unterschätzt
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Mit großem Interesse haben wir die neue Klinische Leitlinie zur Diagnostik der chronischen koronaren Herzkrankheit (KHK) gelesen (1). Leider blieben wichtige Aspekte in der Arbeit nicht ausreichend berücksichtigt.

Bei Betrachtung der Originalarbeiten, auf denen die Aussage basiert, dass „bei 8–11 % der Patienten mit Brustschmerz eine chronische KHK die Ursache“ auf der hausärztlichen Versorgungsebene ist, fallen methodische Mängel auf. So wurde das Vorliegen einer KHK nicht bei allen Personen (invasiv) ausgeschlossen. Haasenritter et al. (2) führen als Limitation selbst an, dass nur einige Patienten eine entsprechende KHK-Diagnostik erhielten. Auch bei Bösner et al. (3) war die Diagnose einer KHK nicht bei allen Patienten sicher ausgeschlossen. So entschied ein Panel über die „am wahrscheinlichsten zugrunde liegende medizinische Ursache für den Brustschmerz“. Die Prävalenz der KHK im untersuchten Kollektiv dürfte in beiden Studien deutlich höher gelegen haben.

In der Versorgungsleitlinie wird zu Recht auf die geringe Sensitivität und Spezifität des Belastungs-Elektrokardiogramms (EKG) zur Detektion einer KHK hingewiesen. Dabei bleibt unberücksichtigt, dass im Rahmen einer Ergometrie weitere wichtige Parameter erhoben werden können, die den Einsatz der Methode rechtfertigen: Die Leistungsfähigkeit beziehungsweise Fitness ist ein unabhängiger prognostischer Faktor. Auch ein abnormes Blutdruckverhalten unter Belastung kann ein Hinweis auf eine KHK sein. So ist ein Blutdruckabfall unter Belastung hinweisend für eine (schwere) KHK. Ein Belastungshypertonus wiederum ist als kardiovaskulärer Risikofaktor zu werten (4). Nicht zuletzt kann durch eine Belastungsuntersuchung (idealerweise in Kombination mit einer Laktatleistungsdiagnostik beziehungsweise Spiroergometrie) die Steuerung des empfohlenen Trainings beziehungsweise der Trainingsintensität erfolgen, was leider in der klinischen Leitlinie keinerlei Beachtung findet.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0131a

Prof. Dr. med. Christof Burgstahler

Prof. Dr. med. Andreas Nieß

Universitätsklinik Tübingen

Abteilung Sportmedizin

christof.burgstahler@med.uni-tuebingen.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Albus C, Barkhausen J, Fleck E, Haasenritter J, Lindner O, Silber S on behalf of the German National Disease Management Guideline “Chronic CHD” development group: Clinical practice guideline: The diagnosis of chronic coronary heart disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 712–9 VOLLTEXT
2.
Haasenritter J, Bosner S, Vaucher P, et al.: Ruling out coronary heart disease in primary care: external validation of a clinical prediction rule. Br J Gen Pract 2012; 62: e415–21 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3.
Bosner S, Becker A, Haasenritter J, et al.: Chest pain in primary care: epidemiology and pre-work-up probabilities. Eur J Gen Pract 2009; 15: 141–6 CrossRef MEDLINE
4.
Schultz MG, La GA, Sharman JE: Blood pressure response to exercise and cardiovascular disease. Curr Hypertens Rep 2017; 19: 89 CrossRef MEDLINE
1. Albus C, Barkhausen J, Fleck E, Haasenritter J, Lindner O, Silber S on behalf of the German National Disease Management Guideline “Chronic CHD” development group: Clinical practice guideline: The diagnosis of chronic coronary heart disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 712–9 VOLLTEXT
2.Haasenritter J, Bosner S, Vaucher P, et al.: Ruling out coronary heart disease in primary care: external validation of a clinical prediction rule. Br J Gen Pract 2012; 62: e415–21 CrossRef MEDLINE PubMed Central
3. Bosner S, Becker A, Haasenritter J, et al.: Chest pain in primary care: epidemiology and pre-work-up probabilities. Eur J Gen Pract 2009; 15: 141–6 CrossRef MEDLINE
4. Schultz MG, La GA, Sharman JE: Blood pressure response to exercise and cardiovascular disease. Curr Hypertens Rep 2017; 19: 89 CrossRef MEDLINE

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