ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Versorgungsrealität sieht anders aus
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Dieser Beitrag (1) erinnert mich an das Jahr 2002, als Dissmann und de Ridder im Lancet (2) genau das anprangerten, was in dieser Leitlinie endlich thematisiert wird. Die Versorgungsrealität in der Kardiologie hat mit dieser Leitlinie nichts gemein. Koronarangiographien und Interventionen ohne objektiven Ischämienachweis oder klinische Relevanz gehören aus wirtschaftlichen Gründen zum Alltag. Den Hausärzten wird damit jede Einflussnahme genommen. Die Patienten-Information „Brauche ich eine Herzkatheteruntersuchung?“ (3) dürfte man in den meisten kardiologischen Kliniken und Praxen vergebens suchen.

Einige Passagen sind widersprüchlich. Für Hausärzte wird der „Marburger Herz-Score“ empfohlen, der aber in einigen Punkten von den Inhalten der Tabelle 2 im Beitrag abweicht. Aber: Brauchen wir im Alltag diese Berechnungen überhaupt? Wie heißt es weich formuliert in dem Beitrag: „Bei der Interpretation ist es wichtig, das klinische Gesamtbild zu berücksichtigen“. Warum soll ich eine Ergometrie nur bei einer Vortestwahrscheinlichkeit von 15–30 % eventuell durchführen, wenn am Ende (zum Glück) doch die klinische Einschätzung dominiert?

Die Erfahrung zeigt, dass die Ergometrie in der Nachsorge zwar die Progression der koronaren Herzkrankheit (KHK) nicht sicher einschätzen lässt, aber sehr gute Anhaltspunkte bezüglich körperlicher Konditionierung bietet, um Defizite in der Behandlung zu erkennen, Einfluss auf den Lebensstil zu nehmen und Ängste abzubauen.

Mittlerweile ist es ja auch schon so, dass man vielerorts schneller einen Herzkathetertermin bekommt als den für eine Ergometrie. Aber damit bin ich wieder am Beginn meiner Ausführungen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0131b

Dr. med. Herbert Wollmann

Innere Medizin/Kardiologie, Hausärztliches MVZ-Stendal

dr.h.wollmann@t-online.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Albus C, Barkhausen J, Fleck E, Haasenritter J, Lindner O, Silber S on behalf of the German National Disease Management Guideline “Chronic CHD” development group: Clinical practice guideline: The diagnosis of chronic coronary heart disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 712–9 VOLLTEXT
2.
Dissmann W, de Ridder M: The soft science of German cardiology. Lancet 2002; 359: 2027–9 CrossRef
3.
BÄK, KBV, AWMF: Verdacht auf koronare Herzkrankheit: Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung? Patienteninformation des ÄZQ zur NVL Chronische KHK I. www.patienten-information.de/kurzinformationen/herz-und-gefaesse/khk-4aufl-vers1-eh1 (last accessed on 11 January 2018).
1.Albus C, Barkhausen J, Fleck E, Haasenritter J, Lindner O, Silber S on behalf of the German National Disease Management Guideline “Chronic CHD” development group: Clinical practice guideline: The diagnosis of chronic coronary heart disease. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 712–9 VOLLTEXT
2.Dissmann W, de Ridder M: The soft science of German cardiology. Lancet 2002; 359: 2027–9 CrossRef
3.BÄK, KBV, AWMF: Verdacht auf koronare Herzkrankheit: Brauche ich eine Herzkatheter-Untersuchung? Patienteninformation des ÄZQ zur NVL Chronische KHK I. www.patienten-information.de/kurzinformationen/herz-und-gefaesse/khk-4aufl-vers1-eh1 (last accessed on 11 January 2018).

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