ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Leitlinien-Apps: Keine zentrale Prüfung in Sicht

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Leitlinien-Apps: Keine zentrale Prüfung in Sicht

Dtsch Arztebl 2018; 115(8): A-346 / B-294 / C-294

Gießelmann, Kathrin

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Immer mehr Patienten, aber auch Ärzte nutzen Gesundheits- und Medizin-Apps. Solange allgemeingültige Nutzennachweise fehlen, müssen schlankere Evaluationsmethoden und Empfehlungen unter Kollegen herhalten.

Foto: picture alliance; botond1977/stock.adobe.com
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Die Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften listet derzeit Leitlinien von 177 Fachgesellschaften. Als Apps findet man derzeit jedoch Leitlinien von weniger als 15 Fachgesellschaften. Dabei wünscht sich laut dem kürzlich vorgestellten Digitalisierungsreport der DAK jeder zweite Arzt eine schnelle Verbreitung medizinischer Erkenntnisse und neuer Leitlinien auf digitalem Weg. Bei mehr als 600 befragten Ärzten standen digitale Versorgungslösungen für Leitlinien somit auf Platz eins – dicht gefolgt von digitalen Methoden für die Durchführung von Studien, einer besseren Nachvollziehbarkeit der Therapietreue und einer ortsunabhängigen Arzt-Patienten-Kommunikation.

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Zu den Fachgesellschaften, die ihre Leitlinien bereits als App zur Verfügung stellen, zählen etwa die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM), die Deutsche Hochdruckliga und die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK). Aber auch die Anästhesisten, Ernährungsmediziner und Gastroenterologen haben bereits zahlreiche klinisch relevante Leitlinien aus ihrem Bereich ausgewählt und eigenverantwortlich als App aufbereitet. Den Vorteil gegenüber der PDF-Variante, den die AWMF online zur Verfügung stellt, erklärt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der DGIM aus Kiel: „Zusätzlich zum gesamten Text, den auch die AWMF bereitstellt, bieten Leitlinien-Apps Flowsheets, die den Nutzer Punkt für Punkt durch die Leitlinie zur empfohlenen Therapie führen.“ Zudem bieten einige der Anwendungen interaktive Tools wie etwa Kalkulatoren, Scores, Diagnose- und Therapiealgorithmen eine übersichtlichere Nutzung. Auch Prof. Dr. med. Peter W. Radke von der Task Force „Medical Apps in der Kardiologie“ der DGK ist vom Nutzen der digitalen Hilfe überzeugt: „Bisher setzen noch zu wenige Ärzte die evidenzbasierten Empfehlungen aus Leitlinien um. Apps der Fachgesellschaften könnten diese Leitlinienadhärenz verbessern.“ Das Problem: Bisher gibt es keine zentral beauftragte Institution, die prüft, ob eine App mit den aktuellsten Empfehlungen der Leitlinien übereinstimmt. Ungeklärt ist auch, wie Apps für Patienten ihren Nutzen nachweisen sollen oder unter welchen Kriterien eine App Einzug in die Regelversorgung findet. Einem Großteil der Ärzte fällt es daher schwer, App-Empfehlungen auszusprechen.

40 Prozent der befragten Ärzte der DAK-Umfrage wünschen sich, dass an erster Stelle medizinische Fachgesellschaften eine leitlinienähnliche App-Liste erstellen und so bei der praktischen Integration in die Regelversorgung helfen. Bisher hat jedoch nur eine einzige Fachgesellschaft den Schritt in die Praxis gewagt. Zusammen mit der Deutschen Diabetes-Hilfe und dem Verband der Diabetes-Beratungs- und Schulungsberufe bietet die DDG seit 2017 das DiaDigital-Siegel an. Solange keine weiteren Siegel und Zertifikate für Gesundheits-/Medizin-Apps zur Verfügung stehen, bleibt dem Arzt daher nur die Möglichkeit, sich auf die Erfahrungen anderer Ärzte zu verlassen. Kathrin Gießelmann

Welche Apps nutzen Sie?

Erfahrungen teilen und Empfehlungen an Kollegen weitergeben – in der neuen Rubrik „Apps“ haben Sie Gelegenheit dazu. Regelmäßig stellen wir hier Smartphone- und Tablet-Anwendungen aus den Bereichen Medizin und Gesundheit vor. Schreiben Sie uns Ihre Erfahrungen: Welche Apps nutzen Sie? Warum eignen sie sich für den Praxisalltag, was könnte verbessert werden? Welche Anwendungen können Sie Kolleginnen und Kollegen oder auch Patienten empfehlen?

Wir freuen uns über Ihre Zuschrift an:

digital@aerzteblatt.de

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