ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Morbus Sudeck: Bezeichnung unpassend
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Es ist sehr verdienstvoll, dass sich eine Übersichtsarbeit einer Erkrankung widmet, die – nicht nur bei Schmerztherapeuten, sondern bei Ärzten jeder Disziplin – nicht in Vergessenheit geraten darf. Diese Krankheit – vom Autor mit der vielleicht für manche etwas altmodisch klingenden Bezeichnung „Morbus Sudeck“ bezeichnet – ist ja kein Schmerzsyndrom, sondern ein schweres Dystrophiesyndrom. Insofern ist die jetzt gebräuchliche Bezeichnung „chronisches regionales Schmerzsyndrom“ absolut desaströs; sie bagatellisiert das schwere Leiden, das mit anderen „Schmerzsyndromen“ kaum etwas gemeinsam hat. Ich bitte darum um Nachsicht, dass ich bei dem Terminus „Algodystrophie“ bleibe.

Der Autor bemerkt mit Recht, dass man bei unklaren Schmerzen nach einer Operation oder einem Trauma an einen Morbus Sudeck denken müsse.

Man muss aber auch an eine Algodystrophie denken, wenn kein Trauma vorliegt. Die Assoziation, da es sich bei der Algodystrophie nur um eine posttraumatische Erkrankung handelt, lässt sich offenbar nicht ausrotten.

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Wir haben Algodystrophien gesehen nach beidseitiger schwerer Thrombo-phlebitis der Unterschenkel, als erster Schub einer Rheumatoiden Arthritis, und auch bei einem schweren Ehekonflikt (ohne Trauma!), wo die Algodystrophie nach Lösung dieses Konfliktes spontan ausheilte. Leider ist die Prognose bei schweren Dystrophien – deren Skelettosteoporose einen typisch fleckigen Charakter hat und ganz anders aussieht als eine Inaktivitätsosteoporose – oft nicht gut und kann bis zu dem Krankheitsbild der „verdorrten Hand“ gehen. Erfreulich ist der Hinweis des Autors, dass keine passive schmerzenden Bewegungen ausgeführt werden dürfen – dadurch kann man einen erneuten Rückfall in ein akutes Algodystrophie-Stadium provozieren!

Prof. Dr. med. Klaus L. Schmidt, 61231 Bad Nauheim

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