ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Asthma bei Kindern: Inhalative Kortikosteroide erhöhen das Frakturrisiko bei Kindern nicht

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Asthma bei Kindern: Inhalative Kortikosteroide erhöhen das Frakturrisiko bei Kindern nicht

Dtsch Arztebl 2018; 115(8): A-339 / B-289 / C-289

Vetter, Christine

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Foto: highwaystarz/stock.adobe.com

Ob die Behandlung mit inhalativen Kortikosteroiden (ICS) bei Kindern mit Asthma mit einem erhöhten Risiko in puncto Knochengesundheit und konkret mit einer erhöhten Frakturrate assoziiert ist, haben kanadische Pädiater anhand einer Fall­kontroll­studie untersucht.

Die Wissenschaftler identifizierten in einem bevölkerungsweiten Gesundheitsregister 19 420 Kinder mit Asthma (61 % Jungen, 39 % Mädchen), davon fast ein Drittel im Alter zwischen 6 und 9 Jahren. Verglichen wurde das Risiko für eine Knochenfraktur nach der Asthma-Diagnose in Abhängigkeit von einer ICS-Therapie: aktuell, im vergangenen Jahr oder in früheren Jahren.

Das Ergebnis: Es gab keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Auftreten eines ersten Knochenbruchs und einer aktuellen ICS-Therapie (Odds Ratio [OR] 1,07; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI] [0,97; 1,17]). Auch war keine eindeutige Assoziation zu einer ICS-Behandlung im Vorjahr (OR: 0,96; [0,86; 1,07]) sowie in früheren Jahren (OR: 1,00; [0,91; 1,11]) im Vergleich zu Kindern ohne ICS-Inhalation festzustellen. Ein erhöhtes Frakturrisiko bestand jedoch bei einer Behandlung mit systemischen Kortikosteroiden im Vorjahr (OR: 1,17; [1,04; 1,33]).

Fazit: „Bei den von den Autoren sehr differenziert dargestellten Einschränkungen der Studie sind dies sehr ermutigende Daten“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Matthias Krüll, niedergelassener Pneumologe in Berlin, das Ergebnis. Die Studie belegt nach Meinung von Krüll erstmals in dieser Deutlichkeit und bei einer großen Population, dass die ICS-Therapie auch bei Kindern – zumindest in Bezug auf das Frakturrisiko sowie bei leichten bis mittleren Asthma-Verlaufsformen – als sicher und unbedenklich einzustufen ist. Und auf jeden Fall sei sie sicherer als eine Therapie mit systemischen Steroiden.

Auch wenn die Frakturrate nur eine der potenziellen Nebenwirkungen sei, so könne sie doch bei Kindern eine entscheidende Rolle spielen. ICS sind und bleiben nach Auffassung Krülls alternativlos die Basis der Therapie des kindlichen Asthmas auf allen Therapiestufen und bei allen Schweregraden – insbesondere bei den leichten und mittelschweren Verlaufsformen, bei denen mit niedrigeren Dosierungen therapiert werden kann. Krüll: „Die Studienergebnisse sollten uns als Pneumologen ermutigen, diese Therapieform noch konsequenter und motivierender einzusetzen. Die Daten können zudem dazu beitragen, die teils sehr unkritische „Kortisonphobie“ zu entkräften“. Christine Vetter

Gray N, Howard A, Zhu J,et al.: Association between inhaled corticosteroid use and bone fracture in children with asthma. JAMA Pediatrics 2018, 172: 57–64.

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