ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018E-Zigaretten: Risiko für Pneumonien könnte erhöht sein

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

E-Zigaretten: Risiko für Pneumonien könnte erhöht sein

Dtsch Arztebl 2018; 115(8): A-341 / B-291 / C-291

Meyer, Rüdiger

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Foto: kapongza/stock.adobe.com
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Der Dampf von E-Zigaretten fördert in den Atemwegen die Bildung eines Rezeptors, der die Invasivität von Pneumokokken, dem wichtigsten Auslöser von Pneumonien fördert, wie eine britische Studie belegt. Es ist bekannt, dass Luftschadstoffe die Lungen anfällig für Infektionen machen. So haben Raucher ein 4-fach erhöhtes Risiko auf invasive Pneumokokkeninfektionen. Für E-Zigaretten gibt es bisher keine entsprechenden Hinweise, da sie erst seit Kurzem auf dem Markt sind. Doch die Untersuchungen eines Teams um Jonathan Grigg von der Queen Mary University of London zeigen, dass ein Risiko bestehen könnte.

Die Forscher haben den Einfluss von E-Zigaretten zunächst an Zellkulturen untersucht. Dort kam es zu einer vermehrten Expression des Rezeptors für den plättchenaktivierenden Faktor (PAFR). Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass PAFR die Eintrittspforte für Pneumokokken in die Schleimhaut ist. Pneumokokken können laut Grigg in den Atemwegen existieren, ohne Krankheiten zu verursachen. Erst beim Eindringen in die Zellen komme es zu Pneumonie oder Sepsis.

Aras Kadioglu von der Universität Liverpool hat die Experimente mit Mäusen wiederholt. Auch hier kam es nach der Exposition mit den Dämpfen der E-Zigaretten zu einer vermehrten Expression von PAFR. In der Schleimhaut von Nase und Rachen der Tiere waren danach erhöhte Konzentrationen von Pneumokokken nachweisbar. Schließlich haben die Forscher die PAFR-Konzentration in der Nasenschleimhaut bei 17 Menschen untersucht. Darunter waren 10 Personen, die regelmäßig E-Zigaretten mit Nikotin und 1, die E-Zigaretten ohne Nikotin benutzte. Die E-Zigaretten-Konsumenten wurden gebeten, 10 Züge aus ihrer E-Zigarette zu nehmen. Eine Stunde später hatte sich die Konzentration von PAFR in einem Nasenabstrich verdreifacht, berichtet Grigg.

Fazit: Die Ergebnisse deuten auf ein Gefahrenpotenzial hin. Noch fehlt allerdings der Beweis, dass die vermehrte Bildung von PAFR in den Atemwegen der Konsumenten von E-Zigaretten zu einen Anstieg von Lungenentzündungen führt. Dieser Hinweis kann nur durch epidemiologische Studien erbracht werden. Rüdiger Meyer

Miyashita L, Suri R, Dearing E, et al.: E-cigarette vapour enhances pneumococcal adherence to airway epithelial cells. European Respiratory Journal 2018, 51: 1701592; DOI:10.1183/13993003.01592–2017

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Avatar #731292
cis2000
am Samstag, 1. Dezember 2018, 21:35

Wow!!!

Zitat: "Die Ergebnisse deuten auf ein Gefahrenpotenzial hin. Noch fehlt allerdings der Beweis, dass die vermehrte Bildung von PAFR in den Atemwegen der Konsumenten von E-Zigaretten zu einen Anstieg von Lungenentzündungen führt. Dieser Hinweis kann nur durch epidemiologische Studien erbracht werden."
Es fehlt also jeglicher Beweis. Prima!
MfG
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