ArchivDeutsches Ärzteblatt8/2018Sarkopenie: Neuer Diagnoseschlüssel für altersbedingten Muskelabbau

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Sarkopenie: Neuer Diagnoseschlüssel für altersbedingten Muskelabbau

Dtsch Arztebl 2018; 115(8): A-352 / B-300 / C-300

Hillienhof, Arne

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Über einen neuen Diagnoseschlüssel können Ärzte jetzt altersbedingten Muskel- und Funktionsabbau, also Sarkopenie, codieren. Der Schlüssel ist im Katalog „ICD-10-GM Version 2018“ des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) aufgeführt.

Sarkopenie-Patienten benötigen eine zielgerichtete Therapie – der neue Kodierschlüssel soll daher als Grundlage für eine genauere Diagnostik dienen. Foto: Halfpoint/stock.adobe.com
Sarkopenie-Patienten benötigen eine zielgerichtete Therapie – der neue Kodierschlüssel soll daher als Grundlage für eine genauere Diagnostik dienen. Foto: Halfpoint/stock.adobe.com

Über die Hintergründe zu dem Diagnoseschlüssel und seine Anwendung hat die Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) informiert. „Der neue ICD-Code für Sarkopenie ist das Ergebnis aus über zehn Jahren Forschungsarbeit. Vorher gab es viele unterschiedliche Definitionen und Vorstellungen, wie man dieses Krankheitsbild erfassen soll“, erläutert der DGG-Experte Dr. med. Michael Drey, Bereichsleiter Akutgeriatrie der Medizinischen Klinik und Poliklinik IV des Uniklinikums München. Zunächst habe man versucht, die Diagnose nur an der Muskelmasse festzumachen. „Später hat man dann festgestellt, dass das Kriterium Muskelmasse allein nicht aussagekräftig genug ist. Denn es gibt ältere Menschen, die zwar wenig Muskelmasse haben, aber deren Funktionalität noch sehr gut ist. Der neue ICD-Code berücksichtigt beide Kriterien – geringe Muskelmasse und reduzierte Funktionalität-, ist also viel spezifischer“, so Drey.

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Für die Versorgung schlägt er ein Stufenkonzept vor. Nachdem Hausärzte Hinweise auf eine Sarkopenie erfassen, könnten geriatrische Zentren mit einer weiterführenden Diagnostik die Sarkopenie bestätigen und entsprechende Therapien ableiten und anwenden. „Durch die genauere Diagnostik kann die Therapie zielgerichteter werden“, so Drey. Sie bestehe im Augenblick vor allem aus einer Kombination von entsprechender Ernährung und Bewegung. „Wichtig für Sarkopenie-Patienten ist eine proteinreiche und Vitamin-D-haltige Ernährung. Je nach individuellem Funktionsverlust sollte zusätzlich Kraft- und Gleichgewichtstraining durchgeführt werden“, sagt der Geriater. Er betont, die Diagnostik der Sarkopenie müsse künftig noch präziser werden. Auch bedürfe es adäquater Bewegungs- und Trainingsangebote für die Ü-80-Jährigen. hil

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