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Die Kollegen Karst und Passie beleuchten einige Probleme in der Diskussion um den Nutzen cannabisbasierter Arzneimittel in der Schmerzmedizin.

Die meisten randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), die zum Tetrahydrocannabinol (THC)/Cannabidiol (CBD) enthaltenden Mundspray vorliegen, wurden durch den Hersteller des Arzneimittels finanziert. Bei allerdings nur einer eingeschlossenen Studie mit Medizinalhanf zeigte ein systematisches Review (SR) keine relevanten Unterschiede der verschiedenen cannabisbasierten Arzneimittel in Wirksamkeit und Verträglichkeit bei neuropathischen Schmerzen (1). Um die Diskussion über den Stellenwert von Medizinalhanf auf eine solidere Datenbasis zu stellen, sind mit öffentlichen Mitteln geförderte Studien notwendig, welche die Wirksamkeit und Verträglichkeit vergleichen von a) Fertig- und Rezepturarzneimitteln mit definierten Dosen von THC und/oder CBD, b) nach ärztlichem Erfahrungswissen ausgewählten Cannabisblütensorten und c) etablierten Therapieverfahren.

Wir stimmen zu, dass eine Zusammenfassung aller chronischen Schmerzsyndrome in SR von RCTs problematisch ist. Daher haben wir in unserer Übersichtsarbeit (2) – so weit wie möglich – nach einzelnen Kategorien von Schmerzsyndromen differenziert.

Übersichtsarbeiten kommen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen bezüglich der Qualität der Evidenz und des Nutzens von cannabisbasierten Arzneimitteln. Je strenger die Kriterien des Einschlusses und der Qualität der Evidenz und je systematischer die Literatursuche, umso ernüchternder sind die Ergebnisse (3). Die Festlegung der Qualität der Evidenz der US-amerikanischen National Academies of Sciences, Engineering, and Medicine erfolgte nicht nach etablierten Standards. Die Autoren schränken deshalb ein, dass (Übersetzung aus dem Englischen:) „diese Hierarchie der Evidenz weder Aussagen über die Größe der beobachteten Wirkung noch über den individuellen oder bevölkerungsbezogenen Nutzen zulässt.“ Für eine methodisch hochwertige und ausgewogene Darstellung verweisen wir auf die aktuell publizierte und vom Bundesministerium für Gesundheit geförderte Übersicht (4).

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0143b

Für die Autoren

Prof. Dr. med. Winfried Häuser
Klinik Innere Medizin I
Klinikum Saarbrücken
whaeuser@klinikum-saarbruecken.de

Interessenkonflikt

Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Petzke F, Enax-Krumova EK, Häuser W: [Efficacy, tolerability and safety of cannabinoids for chronic neuropathic pain: A systematic review of randomized controlled studies]. Schmerz 2016; 30: 62–88 CrossRef MEDLINE
2.
Häuser W, Fitzcharles MA, Radbruch L, Petzke F: Cannabinoids in pain management and palliative medicine—an overview of systematic reviews and prospective observational studies. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 627–34 VOLLTEXT
3.
Häuser W, Petzke F, Fitzcharles MA: Efficacy, tolerability and safety of cannabis-based medicines for chronic pain management—an overview of systematic reviews. Eur J Pain 2017; doi: 10.1002/ejp.1118. [Epub ahead of print] CrossRef
4.
Hoch E, Schneider M: Cannabis: Potenzial und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse (CaPRis). www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Kurzbericht/171127_Kurzbericht_CAPRis.pdf (last accessed on 2 January 2018).
1.Petzke F, Enax-Krumova EK, Häuser W: [Efficacy, tolerability and safety of cannabinoids for chronic neuropathic pain: A systematic review of randomized controlled studies]. Schmerz 2016; 30: 62–88 CrossRef MEDLINE
2.Häuser W, Fitzcharles MA, Radbruch L, Petzke F: Cannabinoids in pain management and palliative medicine—an overview of systematic reviews and prospective observational studies. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 627–34 VOLLTEXT
3.Häuser W, Petzke F, Fitzcharles MA: Efficacy, tolerability and safety of cannabis-based medicines for chronic pain management—an overview of systematic reviews. Eur J Pain 2017; doi: 10.1002/ejp.1118. [Epub ahead of print] CrossRef
4.Hoch E, Schneider M: Cannabis: Potenzial und Risiken. Eine wissenschaftliche Analyse (CaPRis). www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Drogen_und_Sucht/Berichte/Kurzbericht/171127_Kurzbericht_CAPRis.pdf (last accessed on 2 January 2018).

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