ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Adäquate Risikostratifizierung
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Die ambulant erworbene Pneumonie bleibt eine der Hauptursachen für Hospitalisierung, Morbidität und Mortalität. Die Letalität der Patienten, die eine stationäre Aufnahme benötigen, liegt in multizentrischen Kohortenstudien bei über 40 %. Die mit Komplikationen einhergehende Verlaufsform der Pneumosepsis stellt einen Notfall dar, der rechtzeitig erkannt und behandelt werden muss (l).

Im klinischen Alltag wird sich häufig diverser Scoring-Modelle bedient, um den Zustand von Patienten anhand der Schwere ihrer Erkrankung beurteilen zu können. Diese Modelle beinhalten jedoch mehrere Probleme, die ihre Aussagekraft begrenzen. Besonders relevant für die ambulant erworbene Pneumonie (CAP, „community aquired pneumonia“) und die mit der CAP-assoziierten Sepsis ist, dass die Verwendung unterschiedlicher Scores zu unterschiedlichen klinischen Entscheidungen führen kann.

Das folgende Beispiel veranschaulicht das Problem mit den herkömmlichen, klinischen Bewertungsinstrumenten: Ein 60-jähriger Patient mit CAP, einer Atemfrequenz von 26 Atemzügen/Minute, einem Blutdruck von 95/65 mm Hg, BUN von 18 mg/dL (BUN, Blut-Harnstoff-Stickstoff) sowie einem normalen mentalen Status hat gemäß dem validierten prognostischen CURB65-Score (entwickelt für Pneumonie) eine geschätzte Mortalität von 0,6 % und könnte demzufolge ambulant behandelt werden. Unter Verwendung des qSOFA-Score (der neueste Wertmaßstab für Patienten mit Verdacht auf Sepsis in der Notaufnahme) hat dieser Patient jedoch eine Sepsis und sollte auf einer Intensivstation weiterbehandelt werden (2, 3).

Das Beispiel verdeutlicht, dass Kliniker neben der Verwendung von Scoring-Modellen auch andere Parameter berücksichtigen müssten. Hier sollten die neuen Omics-Technologien unser Rüstzeug im Kampf gegen Krankheiten bereichern und eine schnelle Diagnose und Behandlung ermöglichen.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0145a

Dr. med. Nikolaos Evangelatos

Medizinische Klinik 3, Internistische Intensivstation, Klinikum Nürnberg

Nikolaos.Evangelatos@klinikum-nuernberg.de

Dr. med. Thomas Gerlach

Medizinische Klinik 6, Zentrale Notaufnahme, Klinikum Nürnberg

Thomas.Gerlach@klinikum-nuernberg.de

Interessenkonflikt

Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

1.
Phua J, Dean NC, Guo Q, Kuan WS, Lim HF, Lim TK: Severe community-acquired pneumonia: timely management measures in the first 24 hours. Crit Care 2016; 20: 237 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.
Josh Farkas: PulmCrit—top ten problems with the new sepsis definition. www.emcrit.org/pulmcrit/problems-sepsis-3-definition/ (last accessed on 26 February 2017).
3.
Singer M, Deutschman CS, Seymour CW, et al.: The third international consensus definitions for sepsis and septic shock (Sepsis-3). JAMA 2016; 315: 801–10 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.
Kolditz M, Ewig S: Community-acquired pneumonia in adults. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 838–48 VOLLTEXT
1.Phua J, Dean NC, Guo Q, Kuan WS, Lim HF, Lim TK: Severe community-acquired pneumonia: timely management measures in the first 24 hours. Crit Care 2016; 20: 237 CrossRef MEDLINE PubMed Central
2.Josh Farkas: PulmCrit—top ten problems with the new sepsis definition. www.emcrit.org/pulmcrit/problems-sepsis-3-definition/ (last accessed on 26 February 2017).
3.Singer M, Deutschman CS, Seymour CW, et al.: The third international consensus definitions for sepsis and septic shock (Sepsis-3). JAMA 2016; 315: 801–10 CrossRef MEDLINE PubMed Central
4.Kolditz M, Ewig S: Community-acquired pneumonia in adults. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 838–48 VOLLTEXT

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