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Wir danken den Kollegen Evangelatos und Gerlach für ihren Diskussionsbeitrag, der die Wichtigkeit einer adäquaten Risikostratifizierung mit dem Ziel, Patienten mit akuter Organdysfunktion bei Pneumonie frühzeitig zu identifizieren, nochmals unterstreicht. Die im Kommentar vermerkte Letalitätsangabe von bis zu 40 % bei stationären Patienten bezieht sich allerdings auf Patienten mit schwerer Pneumonie auf Intensivstationen, wohingegen alle stationär behandelten Patienten in Deutschland nach den Daten der externen Qualitätssicherung unverändert eine Krankenhausletalität von circa 13 % aufweisen (1).

Das von den Kollegen genannte Fallbeispiel illustriert die Probleme mit den letztlich arbiträren Grenzwerten von in Scores verwendeten Parametern und verdeutlicht einmal mehr, dass im Zentrum der Risikostratifizierung die klinische Einschätzung des erfahrenen Arztes steht, die durch validierte Parameter und gegebenenfalls auch Verlaufsuntersuchungen objektiviert werden sollte.

Der qSOFA-Score wurde als Sepsis-Screening-Instrument entwickelt und soll daher zunächst keine direkte Verlegung auf eine Intensivstation, sondern eine erweiterte Diagnostik bezüglich einer akuten Organdysfunktion (zum Beispiel mittels SOFA-Score oder Minorkriterien) triggern. Die im Fallbeispiel geschilderte höhere Sensitivität des qSOFA im Vergleich zum C(U)RB-65-Score wurde kürzlich an der deutschen CAPNETZ-Kohorte bei Pneumonie bestätigt, geht aber zulasten der Spezifität (2). Der C(U)RB-65-Score ist bei Pneumonie aber deutlich besser validiert.

Entwicklungen von Omics-Technologien zur optimierten Risikostratifikation mit dem Ziel, individualisierte Therapiealgorithmen zu implementieren, sind vielversprechende neue Ansätze auch bei schwerer Pneumonie (3), jedoch aktuell noch nicht in der Praxis verfügbar. In Deutschland befasst sich mit dieser Fragestellung bei Pneumonie die multizentrische PROGRES-CAP Studie, von der erste Ergebnisse bereits dieses Jahr zu erwarten sind.

DOI: 10.3238/arztebl.2018.0145b

PD Dr. med. Martin Kolditz

Abteilung für Pneumologie

Medizinische Klinik und Poliklinik I

Universitätsklinikum Carl Gustav Carus

Dresden

martin.kolditz@uniklinikum-dresden.de

Interessenkonflikt

PD Dr. Kolditz erhielt Honorare für Beratertätigkeit von den Firmen Astra-Zeneca, Bayer und Basilea. Er erhielt Drittmittel für ein Forschungsvorhaben von der Firma Pfizer, Reisekostenerstattung von den Firmen Pfizer und Astra-Zeneca, Vortragshonorare von den Firmen Pfizer, Astra-Zeneca, Bayer und Roche.

1.
IQTIG – Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen: Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2016: Ambulant erworbene Pneumonie. https://iqtig.org (last accessed on 31 January 2018).
2.
Kolditz M, Scherag A, Rohde G, Ewig S, Welte T, Pletz M, CAPNETZ Study Group: Comparison of the qSOFA and CRB-65 for risk prediction in patients with community-acquired pneumonia. Intensive Care Med 2016; 42: 2108–10 CrossRef MEDLINE
3.
Davenport EE, Burnham KL, Radhakrishnan J, et al.: Genomic landscape of the individual host response and outcomes in sepsis: a prospective cohort study. Lancet Respir Med 2016; 4: 259–71 CrossRef
4.
Kolditz M, Ewig S: Community-acquired pneumonia in adults. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 838–48 VOLLTEXT
1.IQTIG – Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen: Bundesauswertung zum Erfassungsjahr 2016: Ambulant erworbene Pneumonie. https://iqtig.org (last accessed on 31 January 2018).
2.Kolditz M, Scherag A, Rohde G, Ewig S, Welte T, Pletz M, CAPNETZ Study Group: Comparison of the qSOFA and CRB-65 for risk prediction in patients with community-acquired pneumonia. Intensive Care Med 2016; 42: 2108–10 CrossRef MEDLINE
3.Davenport EE, Burnham KL, Radhakrishnan J, et al.: Genomic landscape of the individual host response and outcomes in sepsis: a prospective cohort study. Lancet Respir Med 2016; 4: 259–71 CrossRef
4.Kolditz M, Ewig S: Community-acquired pneumonia in adults. Dtsch Arztebl Int 2017; 114: 838–48 VOLLTEXT

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