ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Nicht grau in grau sehen

MEDIZIN: Der klinische Schnappschuss

Nicht grau in grau sehen

Shades of gray

Dtsch Arztebl Int 2018; 115(9): 155; DOI: 10.3238/arztebl.2017.0155

Christ, Michael; Steuer, Stephan; von Hessling, Alexander

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Magnetresonanztomographie des Gehirns
Magnetresonanztomographie des Gehirns
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Magnetresonanztomographie des Gehirns

Ein 42-jähriger Mann wurde im Notfallzentrum zur Abklärung eines im Schlaf aufgetretenen, zerebralen Krampfanfalls vorgestellt. In der computertomographischen Bilddarstellung des Schädels (nativ, CT-Angiographie) zeigten sich keine pathologischen Auffälligkeiten. In der T1-gewichteten Sequenz der Magnetresonanztomographie (MRT) konnten periventrikulär Heterotopien der grauen Substanz dargestellt werden. Heterotopien resultieren aus einer Störung der neuronalen Migration. Es handelt sich um angeborene Veränderungen der grauen Substanz, die sich erst später im Leben durch epileptische Anfälle manifestieren können. Die Ursache dieser Fehlentwicklung wird mit einer Vielzahl an genetischen, vaskulären und umweltbedingten Störungen assoziiert. Die vorliegende periventrikuläre subependymale Heteropie ist die häufigste Malformation der kortikalen Entwicklung im Erwachsenenalter und Ursache zerebraler Krampfanfälle. Umfang und Lokalisation der Heterotopie bedingen den Grad der klinischen Ausprägung, der vom asymptomatischen Zufallsbefund bis zu nicht therapeutisch beeinflussbarer Epilepsie und/oder mentaler Retardierung reicht. Diese seltene Störung der neuronalen Migration sollte differenzialdiagnostisch auch beim Erwachsenen berücksichtigt werden. Sie kann nur mittels MRT-Untersuchung ausgeschlossen werden.

Prof. Dr. med. Michael Christ, Dr. med. Stephan Steuer, Notfallzentrum, Luzerner Kantonsspital, Luzern, Schweiz, michael.christ@luks.ch

PD Dr. med. Alexander von Hessling, Klinik für Radiologie, Luzerner Kantonsspital, Luzern, Schweiz

Interessenkonflikt: Die Autoren erklären, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Zitierweise: Christ M, Steuer S, von Hessling A: Shades of gray. Dtsch Arztebl Int 2018; 115: 155. DOI: 10.3238/arztebl.2017.0155

The English version of this article is available online: www.aerzteblatt-international.de

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