ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Reproduktionsmedizin: Mehr Hautkrankheiten bei Kindern nach Fertilitätstherapie

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Reproduktionsmedizin: Mehr Hautkrankheiten bei Kindern nach Fertilitätstherapie

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-392 / B-331 / C-331

Lenzen-Schulte, Martina

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Foto: mevans/iStockphoto
Foto: mevans/iStockphoto

Kinder, die nach einer Fertilitätsbehandlung geboren werden, haben ein erhöhtes Risiko, später Hautkrankheiten zu entwickeln, die mit einem Ausschlag einhergehen. So das Ergebnis einer großen, langfristig angelegten und populationsbasierten Kohortenstudie aus Israel (1).

Dass Fertilitätstherapien mit vermehrten Gesundheitsrisiken der so gezeugten Kinder assoziiert sind, zeigte sich bereits in anderen Bereichen. Das Ärzteteam um Dr. Asnat Walfisch von der Negev-Universitätsklinik in Beer-Sheva in Israel hatte in einer früheren Arbeit belegt, dass In-vitro-Fertilisation oder Ovulationsinduktion mit einem vermehrten Auftreten von benignen und malignen Tumoren verbunden ist (2).

Jetzt haben sie an der Klinik das Schicksal von 242 187 Kindern, darunter 4 324 nach Fertilitätstherapie, nachverfolgt, die zwischen 1991 und 2014 dort zur Welt kamen. Neugeborene mit Fehlbildungen und Mehrlinge waren ausgeschlossen worden. Bis zum Alter von 18 Jahren haben sie die Häufigkeit von Hautausschlägen unterschiedlicher Genese, darunter allergische Purpura, Urtikaria, Erytheme, atopische Kontakt- und Windeldermatitiden untersucht. Registriert wurde die jeweils erste Hospitalisierung für eine der Erkrankungen.

Die Analyse ergab, dass eine Fertilitätsbehandlung einen unabhängigen Risikofaktor für das Auftreten solcher Hauterkrankungen darstellt (Hazard Ratio 1,43; Konfidenzintervall 1,21 – 1,83; p = 0,004). Mögliche Einflussfaktoren wie Alter, Hypertonie, Diabetes, Asthma oder eine allergische Disposition der Mutter und das Gestationsalter wurden bei der Analyse berücksichtigt, um das Ergebnis nicht zu verfälschen.

Die erhöhte Inzidenz von Hautkrankheiten zeigte sich zwar bevorzugt im Alter zwischen 2 und 5 Jahren, blieb indes noch bis zum Eintritt ins Erwachsenenalter bestehen. Vor allem allergische Hautkrankheiten traten vermehrt auf.

Fazit: Die Stärke der Studie liege in der Kohortengröße und der langen Beobachtungszeit. Eine Schwäche sei das retrospektive Design und der Mangel an Informationen zu den Ursachen der Infertilität, räumen die Autoren ein.

Allerdings sollten die Eltern dahingehend beraten werden. Es sei möglich, dass Fertilitätstherapien über epigenetische Modifikationen oder Imprinting-Defekte im Genom eine kausale Rolle bei der Entstehung solcher Erkrankungen spielten, heißt es in der Arbeit.

Dr. med. Martina Lenzen-Schulte

  1. Krieger Y, Wainstock T, Sheiner E, et al.: International Journal of Dermatology 2018; 57: 317–323.
  2. Wainstock T, Walfisch A, Shoham Vardi I, et al.: Am J Obste Gynecol 2017; 216 (3): 314.e1–314.e14.

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