MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Melanom: Adipöse Männer überleben länger

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-392 / B-331 / C-331

Meyer, Rüdiger

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Foto: a2bb5s/stock.adobe.com
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Eine Adipositas, die auch eine wichtige Ursache von Krebs ist, hat in einer retrospektiven Studie in Lancet Oncology die Überlebenszeit beim metastasierten Melanom verlängert. Eine Schutzwirkung war nur bei Männern und nur unter einer zielgerichteten Therapie oder einer Immuntherapie vorhanden.

Insgesamt hatten 1 918 Patienten an 6 Therapiestudien teilgenommen. Dort waren Immuntherapeutika oder zielgerichtete Medikamente oder auch konventionelle Zytostatika eingesetzt worden.

Alle Patienten befanden sich im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung, in der keine Heilung mehr möglich ist. Das Ziel der Therapien ist dann eine Verlängerung des progressionsfreien oder des Gesamtüberlebens. Frühere Untersuchungen hatten gezeigt, dass die Adipositas den krebsfördernden Stoffwechselweg „IGF-1/PI3K/AKT“ fördert. Außerdem hatten epidemiologische Studien zuletzt gezeigt, dass eine Adipositas ein wichtiger Risikofaktor für 13 Krebserkrankungen ist.

Umso überraschender war das Ergebnis, dass eine Adipositas bei Männern (nicht aber bei Frauen) mit einer Verlängerung der Überlebenszeiten verbunden war. Besonders deutlich war dies bei zielgerichteten Medikamenten. Adipöse Männer (BMI 30 plus), die den BRAF-Inhibitor Dabrafenib oder den MEK-Inhibitor Trametinib erhalten hatten, lebten im Durchschnitt noch 33,0 Monate, davon 15,7 ohne Tumorprogression. Normalgewichtige Männer (BMI 18,5 bis 24,9) lebten noch 19,8 Monate, davon 9,6 Monate ohne Tumorprogression.

Fazit: Die Ursache für die neue Spielart des „Adipositas-Paradoxons“ ist nicht bekannt. Die Studienautorin Jennifer McQuade vermutet, dass die mit der Adipositas verbundene gesteigerte Entzündungsreaktion im Körper die Immunattacke auf die Tumorzellen, die durch die Checkpoint-Inhibitoren ausgelöst wird, verstärkt haben könnte.

Die geschlechtsspezifische Wirkung führt die Forscherin auf das Enzym Aromatase zurück, das im Fettgewebe Androgene in Östrogene umwandelt. Vielleicht entstünden dabei genügend weibliche Geschlechtshormone, um den Geschlechtsunterschied aufzuheben. Normalerweise haben Frauen beim Melanom längere Überlebenszeiten. Forscher führen dies auf Östrogenrezeptoren auf der Oberfläche von Melanomzellen zurück, die die Effektivität der Immuntherapie verstärken können. Rüdiger Meyer

McQuade JL, Daniel CR, Hess KR, et al.: Lancet Oncol 2018. doi: 10.1016/S1470–2045(18)30078–0.

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