ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Sklerodermie mit Beteiligung innerer Organe: Höhere Überlebenschancen mit myeloablativer Stammzelltransplantation

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Sklerodermie mit Beteiligung innerer Organe: Höhere Überlebenschancen mit myeloablativer Stammzelltransplantation

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-390 / B-329 / C-329

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: Science Photo Library Cnri

Die Sklerodermie mit Beteiligung innerer Organe (systemische Sklerose; sSc) ist eine autoimmun verursachte Fibrose und mit einer deutlich erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Bei einer Therapie mit autologer Stammzelltransplantation (aSCT) werden die fehlgesteuerten Immuneffektor- und -gedächtniszellen zunächst eliminiert (Konditionierung). Dann folgt die Rekonstitution des Immunsystems durch Rückgabe von naiven Stammzellen. In der prospektiv randomisierten, unverblindeten SCOT-Studie wurden die Langzeiteffekte dieses Prinzips mit einer immunsuppressiven Zytostatikatherapie verglichen: Anders als in früheren Studien erfolgte aber vor der aSCT eine intensive, myeloablative Konditionierung.

36 Patienten waren der aSCT-Gruppe zugeteilt worden und 39 Patienten der Gruppe mit monatlicher Cyclophosphamid-Infusion für ein Jahr. Alle Teilnehmer litten an Sklerodermie seit maximal 5 Jahren und hatten ausgeprägte Lungen- oder Nierenbeteiligungen. Das Alter lag zwischen 18 und 69 Jahren.

Die Mobilisierung der Stammzellen erfolgte mit GCSF, anschließend eine Leukapherese und eine Anreicherung von CD34+-Stammzellen. Zur Konditionierung vor Reinfusion wurde eine reduzierte Cyclophosphamid-Dosis verwendet (2 × 60 mg/kg), equines Antithymozytenglobulin (6 × 15 mg/kg) und eine Ganzkörperbestrahlung (800 cGy) unter Reduktion der Dosis bei Lunge und Nieren auf 200 cGy.

Der primäre Endpunkt waren Überleben, Überleben ohne Versagen eines Organs (ereignisfreies Überleben) und die Bewertung klinischer Symptome. Das ereignisfreie Überleben lag nach 54 Monaten bei 79 % unter aSCT und bei 50 % in der Zytostatikumgruppe (p = 0,02), nach 72 Monaten betrugen die Werte 74 % (aSCT) vs. 47 % (Zytostatikum; [p = 0,03]). Das Gesamüberleben lag bei 86 % nach 6 Jahren in der Transplantationsgruppe vs. 51 % unter Cyclophosphamid (p = 0,02). 9 % der Patienten der Transplantationsgruppe nahmen nach 4,5 Jahren wieder eine Behandlung mit krankheitsmodifizierenden Substanzen (DMARDs) auf, aber 44 % bei Cyclophosphamidbehandlung (p = 0,001). Die therapiebedingte Sterblichkeit war zwar mit 3 % nach 54 Monaten und 6 % nach 72 Monaten in der Transplantationsgruppe geringer als in früheren Studien mit nichtmyeloablativer Konditionierung, allerdings starb in der Cyclophosphamidgruppe gar kein Patient therapiebedingt.

Fazit: Die autologe Stammzelltransplantation mit vorangegangener myeloablativer Konditionierung ist sehr effektiv zur Behandlung von Patienten mit schwerer systemischer Sklerose. Sie erhöht das 6-Jahres-Überleben im Vergleich zu Cyclophosphamid um 60 %, die therapiebedingte Sterblichkeit war bei dem verwendeten aSCT-Regime vergleichsweise gering. „Mit dieser neuen Studie zur autologen Stammzelltransplantation bei systemischer Sklerose liegen mittlerweile 3 hochwertige, randomisierte Studien vor, welche die Effektivität dieses Therapieansatzes belegen“, kommentiert Priv.-Doz. Dr. med. Jörg Henes, Leiter des Bereichs Rheumatologie an der Medizinischen Universitätsklinik Tübingen. „Es handelt sich bei der autologen Stammzelltransplantation um eine aggressive und nebenwirkungsreiche Therapie, daher ist eine gute Patientenselektion unbedingt erforderlich. Auch in Deutschland wird diese Therapie an ausgewählten Zentren angeboten.“

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Sullivan KM, Goldmuntz EA, Keyes-Elstein L, et al.: Myeloablative autologous stem-Cell transplantation for severe scleroderma. N Engl J Med 2018; 378: 35–47.

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