ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Metastasiertes Melanom: Ältere Patienten sprechen mindestens so gut auf Immuntherapie an wie jüngere

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Metastasiertes Melanom: Ältere Patienten sprechen mindestens so gut auf Immuntherapie an wie jüngere

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-391 / B-330 / C-330

Eckert, Nadine

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Foto: picture alliance

Checkpoint-Inhibitoren haben die Behandlung des fortgeschrittenen malignen Melanoms revolutioniert. Präklinische Tests deuteten allerdings auf eine möglicherweise reduzierte Wirksamkeit bei Patienten mit altersbedingt schwächerem Immunsystem hin.

Eine Sorge, die eine kleine Kohortenstudie aus Frankreich nicht bestätigt: Bei Melanom-Patienten über 65 Jahren waren Ipilimumab, Nivolumab und Pembrolizumab sogar mit einem besseren klinischen Outcome assoziiert als bei jüngeren. Und die Immuntherapie hatte bei den älteren Patienten auch nicht mehr Nebenwirkungen.

Für die monozentrische Studie wurden 92 Patienten mit metastasiertem Melanom, die mit einem der drei Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurden, und insgesamt 120 Therapielinien retrospektiv analysiert.

Insgesamt 54 der Patienten waren 65 Jahre oder jünger (im Durchschnitt 48,1 Jahre; Standardabweichung [SD]: 12,5 Jahre) und 38 Patienten waren älter als 65 Jahre (im Durchschnitt 74,8 Jahre; [SD]: 6,9 Jahre). Sie wurden ab Therapiebeginn im Durchschnitt 12,5 Monate nachbeobachtet.

Patienten über 65 Jahre hatten in einer univariaten Analyse und nach Adjustierung um prognostisch bedeutsame Kovariablen ein besseres progressionsfreies Überleben (4,8 vs. 3,4 Monate; p < 0,04) und Gesamtüberleben (nicht erreicht vs. 10,1 Monate; p = 0,009) als jüngere Patienten. Dies galt vor allem für Patienten, die mit PD-1-Inhibitoren (Nivolumab, Pembrolizumab) behandelt worden waren. Bei den häufigsten immunbedingten Nebenwirkungen gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Altersgruppen, obwohl die älteren Patienten mehr Begleiterkrankungen hatten. Allerdings waren „andere“ Nebenwirkungen bei den Patienten über 65 häufiger als bei den jüngeren Patienten: 7,8 vs. 0 % entwickelten eine Meningitis und 7,8 vs. 0 % eine immunologische Nephritis. Bei jüngeren Patienten dagegen kam es häufiger zu immunogenen interstitiellen Pneumopathien (5,5 vs. 2,6 %).

Fazit: „Bei der Untersuchung handelt es sich um eine retrospektive Untersuchung von Melanompatienten, die mit Checkpoint-Inhibitoren behandelt wurde“, fasst Prof. Dr. med. Dirk Schadendorf, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Universitätsklinikum Essen, zusammen. „Dabei waren 38 der 92 ausgewerteten Patienten mit metastasiertem Melanom älter als 65 Jahre. Es zeigte sich, dass der Nutzen einer immunmodulatorischen Therapie mit Checkpoint-Inhibitoren in beiden Altersgruppen vergleichbar ist und ein fortgeschrittenes Lebensalter nicht zu einem verringerten Tumoransprechen oder einem frühzeitigeren Versterben führt“, so Schadendorf.

Auch die therapieassoziierten Nebenwirkungen seien in ihrer Häufigkeit vergleichbar. Insgesamt bestätigten diese retrospektiven Daten die vorliegenden Ergebnisse aus allen Zulassungsstudien mit den Checkpoint-Inhibitoren Ipilimumab, Nivolumab, Pembrolizumab sowie deren Kombinationen. „Aus all diesen Studien liegen Subgruppenanalysen vor, die belegen, dass Patienten über 65 Jahren bezüglich Tumorkontrolle und Gesamtüberleben ebenso gut profitieren wie jüngere Patienten.“

Nadine Eckert

Perier-Muzet M, Gatt E, Péron J, et al.: Association of immunotherapy with overall survival in elderly patients with melanoma. JAMA Dermatol 2018; 154: 82-7.

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