ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Medizinstudium: Erste Initiativen starten

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Medizinstudium: Erste Initiativen starten

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-376 / B-318 / C-318

Richter-Kuhlmann, Eva

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Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Ende letzten Jahres kam der Stein ins Rollen: Jetzt planen die Bundesländer eine veränderte Zulassung zum Medizinstudium. Auch die Betroffenen – Medizinstudierende sowie die Fakultäten – haben bereits konkrete Vorschläge.

Die Bundesländer wollen die Zulassung zum Medizinstudium ändern und den „Staatsvertrag über die Errichtung einer gemeinsamen Einrichtung für Hochschulzulassung“ neu anpassen. Dies bestätigte jetzt der Sprecher der Kultusministerkonferenz (KMK) dem Deutschen Ärzteblatt. Die Gremien der KMK berieten derzeit über das konkrete Vorgehen. Da die anstehenden Neuregelungen jedoch Gegenstände der konkurrierenden Gesetzgebungszuständigkeit betreffen, sei noch eine verbindliche Positionierung des Bundes abzuwarten.

Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts verlangt mit seinem Urteil vom Dezember 2017 eine Neuregelung der Vergabe von Medizinstudienplätzen bis Ende Dezember 2019. Foto: dpa
Der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts verlangt mit seinem Urteil vom Dezember 2017 eine Neuregelung der Vergabe von Medizinstudienplätzen bis Ende Dezember 2019. Foto: dpa
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Mit ihrer Initiative reagieren die Länder auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVerfG) über die Zulassung zum Medizinstudium. Der Erste Senat des BVerfG in Karlsruhe hatte am 19. Dezember 2017 zwar grundsätzlich die Rechtmäßigkeit der Zulassungsbeschränkung durch einen Numerus clausus bestätigt, jedoch das Verfahren zur Vergabe von Medizinstudienplätzen als „teilweise mit dem Grundgesetz unvereinbar“ bewertet. Die geltenden Regelungen verletzten den grundrechtlichen Anspruch der Studienplatzbewerber auf „gleiche Teilhabe am staatlichen Studienangebot“, urteilten die Richter und verlangten bis Ende 2019 eine Neuregelung des Verfahrens. Die Universitäten müssten bei der Auswahl nach eigenem Verfahren in einer standardisierten und transparenten Weise vorgehen. Ferner müsse den Unterschieden zwischen den Ländern bezüglich der Abiturnote Rechnung getragen und die Zahl der Wartesemester – die aktuell bei 15 liegt – enger begrenzt werden.

Hoffnung auf den großen Wurf

Die Medizinstudierenden und die Medizinischen Fakultäten begrüßen grundsätzlich das Urteil. Gemeinsam arbeiten der Medizinische Fakultätentag (MFT) und die Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) bereits seit einiger Zeit an einem Konzept für ein neues Auswahlverfahren. Ihren Vorschlag stellen sie in diesem Heft vor (siehe folgenden Artikel).

„Man sollte die Gelegenheit zu einer grundsätzlichen Neufassung des Auswahlverfahrens nutzen und trotz des Zeitdrucks den größtmöglichen Wurf machen“, ist MFT-Generalsekretär Dr. Frank Wissing überzeugt. Nur so könne man für die nächsten Jahre ein fähiges Auswahlsystem schaffen. Grundsätzlich ist Wissing optimistisch, bis zum Ende des nächsten Jahres die erforderlichen Infrastrukturen zu schaffen und beispielsweise einen Eignungstest für künftige Ärzte bundesweit zu etablieren. Gleichzeitig sollten nach Ansicht der Fakultäten die Auswahlverfahren der Hochschulen in großem Umfang möglich bleiben. „Wir brauchen eine hohe Heterogenität bei den künftigen Medizinstudierenden“, ergänzte Prof. Dr. med. Martina Kadmon, Gründungsdekanin der medizinischen Fakultät in Augsburg. „Wir benötigen unter den künftigen Ärztinnen und Ärzten diejenigen, die ein Faible für die Allgemeinmedizin haben, aber auch Spezialisten.“ So habe auch die Chirurgie Nachwuchssorgen.

Die Medizinstudierenden fordern die Politik auf, den gemeinsamen Vorschlag zeitnah in die Gesetzgebung miteinzubinden. „In Hinblick auf einen weiterentwickelten Studierfähigkeitstest ist zudem wichtig, dass dieser mehrfach durchführbar ist, damit die Zulassung zum Medizinstudium nicht tagesformabhängig wird“, erklärte Jil Weigelt, Bundeskoordinatorin für medizinische Ausbildung der bvmd. Dr. med. Eva Richter-Kuhlmann

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