ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Pädiatrische Onkologie: Denkweise etablieren
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Dem Deutschen Ärzteblatt sei gedankt, dass es den Fertilitätserhalt bei der Krebstherapie von Kindern und jungen Erwachsenen aufgreift. Es geht dabei aber nicht nur – und in erster Linie – um die Finanzierung fruchbarkeitserhaltender Maßnahmen. Vielmehr sollten alle onkologischen Maßnahmen kritisch diskutiert werden, die einerseits keinen signifikanten Beitrag zur Überlebensrate gezeigt haben und andererseits das Risiko der Infertilität erhöhen. Insofern ist Volker Diehl, dem Begründer der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (DHSG) zuzustimmen, dass es „ein Fehler war“, diese Problematik erst so spät zu thematisieren. Schließlich wurde von anderen schon vor Jahrzehnten versucht, das Risiko dieser wichtigen Therapiefolge zu reduzieren, ohne die hohen Heilungsraten zu verringern. Das gelang den Strahlentherapeuten durch strenge Indikationsstellungen sowie geringere Bestrahlungsdosis und -volumina, besonders aber den Kinderonkologen durch modifizierte und angepasste chemotherapeutische Strategien.

Ist aber diese Denkweise auch in den Konzepten der DHSG mittlerweile etabliert? Noch 2017 kam es im Journal of Clinical Oncology zu einer kontroversen Diskussion zu diesem Thema. Während international darauf hingewiesen wurde, dass ein Fertilitätserhalt auch ohne Reduktion der definitiven Überlebensraten häufiger möglich ist, bestanden die Vertreter der DHSG darauf, dass alleine die Progressionsfreie Überlebensrate von Bedeutung sei – für die meisten Patient/-innen sei der Fertilitätserhalt nachrangig. Umstritten aber bleibt bis heute, ob es für diese – international weitgehend singuläre – Auffassung überhaupt valide Daten gibt. Unklar bleibt auch, warum man in den Studienkonzepten der DHSG individuelle Präferenzen der Patient/-innen nicht implementieren kann. Vielleicht kann Volker Diehl da doch noch einen späten Einfluss auf seine Nachfolger in der Leitung der DHSG geltend machen. Wie die Ausführungen im Deutschen Ärzteblatt zeigen, würden es ihm viele Patient/-innen danken.

Prof Dr. rer. nat. Dr. med. Dipl. math. Clemens F. Hess, 37075 Göttingen

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