ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018QM-Ratgeber: Qualitätsinstrumente anwenden – Stürze und Sturzfolgen vermeiden

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QM-Ratgeber: Qualitätsinstrumente anwenden – Stürze und Sturzfolgen vermeiden

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-402 / B-338 / C-338

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Die Zeiten wandeln sich – und mit ihr die Anforderungen an eine gute Gesundheitsversorgung. In unserer älter werdenden Gesellschaft gibt es beispielsweise immer mehr (hoch)betagte Patienten. Das wiederum stellt Ärztinnen und Ärzte vor die Aufgabe, sich auf die für sie typischen Risiken wie ein erhöhtes Sturzrisiko einzustellen.

Das Vermeiden von Stürzen und Sturzfolgen gehört zu den praktischen Anwendungsbereichen von Qualitätsmanagement. Die QM-Richtlinie des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses sieht deshalb vor, dass Krankenhäuser und Praxen Sturzprophylaxe betreiben. Kurz gesagt geht es neben der Versorgung bereits gestürzter Patienten darum, Sturzrisiken zu identifizieren, zu beseitigen oder abzumildern.

Bei der Einschätzung des Sturzrisikos kommt es darauf an, intrinsische und extrinsische Faktoren zu prüfen. Patienten, die bereits gestürzt sind, und ältere Patienten sollten zum Beispiel zu folgenden Aspekten untersucht und befragt werden:

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  • Intrinsische Faktoren: Alter, Allgemeinzustand, funktionelle Einschränkungen, Erkrankungen mit erhöhtem Sturzrisiko (zum Beispiel Schlaganfall, Parkinson, kardiovaskuläre Erkrankungen, Diabetes, Demenz), Lebensgewohnheiten, Angst vor Stürzen
  • Extrinsische Faktoren: Medikation mit sturzgefährdenden Nebenwirkungen, Funktionsfähigkeit von Geh- und Sehhilfen, Schuhwerk, häusliches Umfeld (zum Beispiel Stolperfallen, Bodenbeläge, Beleuchtung, Haltegriffe).

Ebenso vielfältig wie die Risikofaktoren sind in aller Regel die daraus resultierenden Präventionsmaßnahmen. Im Sinne einer multimodalen Intervention können sie beispielsweise eine Anpassung der Medikation, Beratungen zum Verhalten und zu Lebensgewohnheiten, Umgestaltungen im häuslichen Umfeld oder die Teilnahme an Kraft-und-Balance-Trainings beinhalten. Ärztinnen und Ärzten kommt die Aufgabe zu, Patienten, Angehörige und gegebenenfalls auch Betreuer strukturiert zu informieren und im Zuge der gemeinsamen Entscheidungsfindung Maßnahmen zu vereinbaren, die für Patienten akzeptabel und umsetzbar sind.

Um den komplexen Prozess der Sturzprophylaxe zu organisieren, empfiehlt es sich, interne Behandlungspfade zu definieren. Dabei unterstützen QM-Verfahren wie EFQM, DIN EN ISO 9001 oder QEP – Qualität und Entwicklung in Praxen®.

Schließlich sollten Ärztinnen und Ärzte bedenken, dass Sturzgefahren auch in den eigenen Räumen des Krankenhauses oder der Praxis lauern können. Informationen speziell für Niedergelasse hat die KBV in der Broschüre PraxisWissen „Barrieren abbauen“ zusammengefasst. Patienteninformationen zum Thema Sturz stellen das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin auf www.patienten-information.de oder das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen unter www.gesundheitsinformation.de zur Verfügung. KBV

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