ArchivDeutsches Ärzteblatt9/2018Palbociclib bei metastasiertem Mammakarzinom: Tumorprogress wird verzögert

PHARMA

Palbociclib bei metastasiertem Mammakarzinom: Tumorprogress wird verzögert

Dtsch Arztebl 2018; 115(9): A-393

Siegmund-Schultze, Nicola

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Bei der Therapie von Brustkrebspatientinnen etablieren sich neue Substanzen wie Palbociclib. Der CDK4/6-Inhibitor verlängert das progressionsfreie Überleben beim fortgeschrittenen oder metastasierten HR+/Her2-Mammakarzinom – und ist besser verträglich als eine Chemotherapie.

Die endokrine Erstlinientherapie ist Standard beim fortgeschrittenen oder metasta-sierten hormonrezeptorpositiven (HR+)/Her2-neu-negativen-(Her2-) Mammakarzinom. Aber circa die Hälfte der Patientinnen spricht nicht an, und fast alle, die ansprechen, entwickeln irgendwann Resistenzen. In der systemischen Behandlung gebe es nun einen Paradigmenwechsel, berichtete Priv.-Doz. Dr. med. Marc Thill, Chefarzt der Klinik für Gynäkologie und Geburtshilfe des Agaplesion Markus Krankenhauses in Frankfurt, während des DGHO-Kongresses in Stuttgart. „Wir kommen weg von endokrinen Monotherapien hin zu Kombinationen mit dem CDK4/6-Inhibitor Palbociclib. Die Kombination ist wirksamer: Sie verlängert das mediane progressionsfreie Überleben wesentlich.“

Gute Bewertung in Leitlinien

Anzeige

Dieser Trend spiegele sich in Leitlinien wider. So stufe die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) die Kombination einer endokrinen Therapie mit dem CDK4/6-Inhibitor Palbociclib als eine der bestmöglichen Therapieoptionen beim HR+/Her2-, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Brustkrebs ein (1), in der Prämenopause – kombiniert mit einem GnRH-Agonisten – und in der Postmenopause. Auch in den Guidelines der European Society for Medical Oncology fänden sich Empfehlungen für die Kombination mit Palbociclib (2). „Unsere praktischen Erfahrungen bestätigen die guten Ergebnisse der PALOMA-Studien, die zur Zulassung von Palbociclib geführt haben“, sagte Thill.

CDK4/6-Inhibitoren hemmen eine über Estrogenrezeptoren aktivierte Signalkaskade, die den Zellzyklus und damit die Proliferation reguliert. CDK4/6-Inhibitoren können, je nach Vorbehandlung, mit Aromatasehemmern wie Letrozol oder mit dem Estrogenrezeptorantagonisten Fulvestrant kombiniert werden. Die Effekte sind vermutlich synergistisch und wirken Resistenzen entgegen.

So hatten Patientinnen in der Erstlinie unter Palbociclib in Kombination mit Letrozol der PALOMA-2-Studie zufolge ein deutlich längeres progressionsfreies Überleben (PFS) als mit Letrozol allein (3). In der Phase-3-Untersuchung wurden Wirksamkeit und Sicherheit von Palbociclib untersucht.

666 postmenopausale Frauen mit fortgeschrittenen HR+/Her2-Tumoren wurden 2:1 randomisiert in einen Studienarm mit Palbociclib (125 mg oral 1-mal pro Tag für 3 Wochen, dann 1 Woche Pause) plus Letrozol (2,5 mg oral täglich) oder Letrozol plus Placebo. Fast die Hälfte der Patientinnen (je 48 % und 49 %) hatte zuvor neoadjuvant oder adjuvant Zytostatika erhalten und 56 % eine adjuvante Hormonbehandlung, aber keine systemische Therapie im fortgeschrittenen Stadium.

Das mediane PFS lag unter der Kombination bei 24,8 Monaten und mit Letrozol allein bei 14,5 Monaten (Hazard Ratio [HR] für Progress oder Tod: 0,58 Palbociclib vs. Placebo; 95-%-Konfidenzintervall [95-%-KI]: 0,46; 0,72; p < 0,001).

Auch bei Frauen, die wegen eines fortgeschrittenen Stadiums endokrin vorbehandelt worden waren, verlängerte Palbociclib in Kombination mit Fulvestrant das mediane PFS deutlich im Vergleich zu Frauen mit Fulvestrant allein (PALOMA-3-Studie [4]; PFS: 11,2 vs. 4,6 Monate; HR: 0,497; 95-%-KI: 0,398; 0,620; p < 0,0001). Die höhere Effektivität der Kombination sei in allen Subgruppen konsistent gewesen, so Thill. Alter, Art der Metastasierung oder vorherige Therapie hätten keinen Einfluss auf das Therapieergebnis gehabt.

Zytostatika erst später nötig

„Das deutlich verlängerte progressionsfreie Überleben ist praxisrelevant, denn meist gibt es eine Folge von Therapien“, erläuterte Thill. Für Patientinnen erhöhe sich mit Palbociclib die Chance auf therapiefreie Intervalle und es verlängere sich die mediane Zeit, bis eine Chemotherapie erforderlich sei (5).

Die Behandlung mit Palbociclib sei in der Praxis gut zu handhaben, sagte Prof. Dr. med. Frederik Marmé, Universitätsklinikum Heidelberg. Häufigste Nebenwirkung sei die Neutropenie, selten aber febrile Neutropenien. „Im Gegensatz zu den Blutbildveränderungen durch eine Chemotherapie sind niedrige Neutrophilen-Werte unter einer Palbociclib-Therapie reversibel und die Patientinnen bemerken davon oftmals nichts.“ Mit einer Therapieunterbrechung oder einer individuellen Dosisanpassung lasse sich eine Neutropenie in der Regel ohne Wirksamkeitsverlust normalisieren. Um frühzeitig reagieren zu können, seien regelmäßige Blutbildkontrollen nötig. Ein Monitoring über die Blutbildkontrollen hinaus sei für Palbociclib nicht erforderlich.

Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Veranstaltung: „Paradigmenwechsel beim metastasierten Brustkrebs: Praktische Erfahrungen mit Palbociclib. Fachpressekonferenz von Pfizer Oncology während der Jahrestagung der DGHO in Stuttgart.

Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit0918
oder über QR-Code.

1.
AGO: Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs. http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/2017–03/AGO_deutsch/PDF_Gesamtdatei_deutsch/Alle%20aktuellen%20Empfehlungen_2017.pdf (last accessed on 21 February 2018).
2.
Cardoso F, et al.: 3rd ESO-ESMO international consensus guidelines for Advanced Breast Cancer (ABC 3). The Breast 2017; 31: 244–59 CrossRef MEDLINE
3.
Finn RS, Martin M, Rugo HS, et al.: Palbociclib and letrozol in advanced breast cancer. N Engl J Med 2016; 375: 1925–36 CrossRef MEDLINE
4.
Cristofanilli M, Turner NC, Bondarenko I, et al.: Fulvestrant plus palbociclib versus fulvestrant plus placebo for treatment of hormone-receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer that progressed on previous endocrine therapy (PALOMA-3): final analysis of the multicentre, double-blind, phase 3 randomised controlled trial. Lancet Oncology 2016; 17: 425–39 CrossRef
5.
Turner NCC, André F, Cristofanilli M, Verma S, et al.: Treatment postprogression in women with endocrine-resistant HR+/HER2- advanced breast cancer who received palbociclib plus fulvestrant in PALOMA-3. San Antonio Breast Cancer Symposium 2016; P4–22–06 PubMed Central
1. AGO: Diagnostik und Therapie von Patientinnen mit primärem und metastasiertem Brustkrebs. http://www.ago-online.de/fileadmin/downloads/leitlinien/mamma/2017–03/AGO_deutsch/PDF_Gesamtdatei_deutsch/Alle%20aktuellen%20Empfehlungen_2017.pdf (last accessed on 21 February 2018).
2. Cardoso F, et al.: 3rd ESO-ESMO international consensus guidelines for Advanced Breast Cancer (ABC 3). The Breast 2017; 31: 244–59 CrossRef MEDLINE
3. Finn RS, Martin M, Rugo HS, et al.: Palbociclib and letrozol in advanced breast cancer. N Engl J Med 2016; 375: 1925–36 CrossRef MEDLINE
4. Cristofanilli M, Turner NC, Bondarenko I, et al.: Fulvestrant plus palbociclib versus fulvestrant plus placebo for treatment of hormone-receptor-positive, HER2-negative metastatic breast cancer that progressed on previous endocrine therapy (PALOMA-3): final analysis of the multicentre, double-blind, phase 3 randomised controlled trial. Lancet Oncology 2016; 17: 425–39 CrossRef
5.Turner NCC, André F, Cristofanilli M, Verma S, et al.: Treatment postprogression in women with endocrine-resistant HR+/HER2- advanced breast cancer who received palbociclib plus fulvestrant in PALOMA-3. San Antonio Breast Cancer Symposium 2016; P4–22–06 PubMed Central

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema