Supplement: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

LAMA/LABA-Therapie: Kardiale Risiken bei COPD

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): [32]

Meyer, Rüdiger

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Taiwanesische Forscher raten zur Vorsicht bei der Erstverordnung von langwirksamen Anticholinergika (LAMA) und/oder langwirksamen Beta-2-Agonisten (LABA). Ihre Fall-Kontroll-Studie ergab, dass es in den ersten 30 Tagen der Behandlung vermehrt zu kardiovaskulären Ereignissen kommen kann.

LAMA wie Tiotropium, Aclidinium und LABA wie Formoterol, Salmeterol, Indacaterol sind ein fester Bestandteil in der Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), bei der sie als Bronchodilatatoren Atemnot und Husten vermindern. Zu den pharmakologischen Wirkungen von LAMA und LABA gehört jedoch ein Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck, zu dem es infolge einer Aktivierung des sympathischen Nervensystems kommen kann.

Bisher war eine Zunahme von kardiovaskulären Ereignissen in randomisierten klinischen Studien nicht sicher erkennbar. Viele Teilnehmer dieser Studien waren jedoch schon vorher mit LAMA und/oder LABA behandelt worden, sodass möglicherweise bereits eine gewisse Gewöhnung eingetreten war.

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Meng-Ting Wang vom National Defense Medical Center in Taipeh hat jetzt die Daten der staatlichen Gesundheitsversicherung ausgewertet, über die mehr als 99 % der Bevölkerung medizinisch versorgt werden. Ein Abgleich mit den Krankenhausregistern ergab, dass es in den ersten 30 Tagen nach der Erstverordnung von LAMA und/oder LABA häufiger zu Notfalleinweisungen wegen koronarer Herzkrankheit, Herzrhythmusstörungen, dekompensierter Herzinsuffizienz oder Schlaganfall kommt. Später lag das Risiko eher niedriger als bei COPD-Patienten, die diese Medikamente nicht erhielten.

Wang ermittelt eine adjustierte Odds Ratio von 1,50 (95-%-Konfidenzintervall 1,35–1,67) für die ersten 30 Tage nach der Neuverordnung von LABA und von 1,52 (1,28–1,80) für die ersten 30 Tage nach der Neuverordnung von LAMA. Bei der kombinierten Verordnung von LAMA und LABA betrug die Odds Ratio 2,03 (1,42–2,91).

Das absolute Risiko für die Patienten war gering. Die „Number needed to harm“ betrug für neue LABA-Nutzer 406 (303–580) und für neue LAMA-Benutzer 391 (254–725).

Die Studie kann nicht ermitteln, welche weiteren Patienteneigenschaften die kardiovaskulären Notfälle begünstigen. Es dürfte jedoch plausibel sein, dass Patienten mit kardialen Vorerkrankungen am ehesten gefährdet sind. Wang rät deshalb dazu, vor der Verordnung ein EKG anzufertigen. Rüdiger Meyer

Wang M, Liou J, Lin CW, et al.: JAMA Intern Med 2018; 178 (2): 229–38.

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