Supplement: Perspektiven der Pneumologie & Allergologie

Maligner Pleuraerguss: Suche nach Therapie

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): [30]; DOI: 10.3238/PersPneumo.2018.03.09.06

EB

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Forscher am Helmholtz Zentrum München haben einen Mechanismus entdeckt, wie es zu einem malignen Pleuraerguss bei Lungenkrebspatienten kommt und dass verschiedene Wirkstoffe möglicherweise zur Behandlung geeignet sind.

Die Pleurakarzinose entsteht durch die Metastasierung von thorakalen oder extrathorakalen Tumoren in die viszerale und/oder parietale Pleura. Der rezidivierende maligne Pleuraerguss als Folge einer Pleurakarzinose ist eine der häufigsten Befunde maligner Erkrankungen. In Deutschland geht man von etwa 56 000 Patienten jährlich aus. Aufgrund seiner engen anatomischen Beziehung zur Pleura stellt das Bronchialkarzinom die häufigste Ursache eines malignen Pleuraergusses (ca. 40 % aller Fälle) dar. An zweiter Stelle steht das metastasierte Mammakarzinom (ca. 25 %), gefolgt von Lymphomen (ca. 10 %), dem Ovarialkarzinom (ca. 5 %) und gastrointestinalen Malignomen (ca. 5 %).

„Bisher gibt es keine effektive Therapie gegen den malignen Pleuraerguss“, erklärt Prof. Dr. Georgios Stathopoulos, Arbeitsgruppenleiter am Institut für Lungenbiologie (ILBD) und Comprehensive Pneumology Center (CPC) am Helmholtz Zentrum München. Die Therapiekonzepte verfolgen bei der Pleurakarzinose bisher nur palliative Behandlungsziele. Hierbei steht sowohl die Drainage des vorhandenen Ergusses (Thorakozentese, dauerhafter Pleurakatheter) als auch die Pleurodese (Verklebung von viszeraler und parietaler Pleura) im Vordergrund.

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In der aktuellen Studie untersuchten die Wissenschaftler Krebszellen mit einer bösartigen Mutation im KRAS-Gen, die sie aus Pleuraergüssen gewonnen hatten. KRAS ist bekannt dafür, eine entscheidende Rolle für das Wachstum verschiedener bösartiger Tumoren zu besitzen.

„Wir konnten zeigen, dass diese Zellen einen Botenstoff ins Blut abgeben, der wiederum Immunzellen anlockt. Diese wandern dann über die Milz in die Pleurahöhle ein und verursachen dort die Flüssigkeitsansammlung“, so Stathopoulos. Bei dem Botenstoff handelt es sich um CCL2 (CC-Chemokinligand 2), der oft im Zusammenhang mit Entzündungen ausgeschüttet wird. Zusätzlich fanden die Wissenschaftler die KRAS-mutierten Krebszellen im Pleuraerguss von Lungenkrebspatienten sowie in Zelllinien, die davon abgeleitet worden waren.

Im Versuchsmodell konnten sie zeigen, dass sowohl der KRAS-Inhibitor Deltarasin (verhindert den Transport des Krebsproteins KRAS zur Zellmembran) als auch ein Antiköper gegen den von den Krebszellen ausgesandten Botenstoff dem Pleuraerguss entgegenwirkten. Weitere Studien müssen das nun bestätigen.

Bereits 2015 hatte das Team um Stathopoulos herausgefunden, dass sich bei Lungenkrebs Mastzellen in der Pleurahöhle ansammeln und dort einen Pleuraerguss erzeugen. Erste Versuche mit dem Hemmstoff Imatinib zeigten im präklinischen Modell einen verminderten Pleuraerguss und weniger Mastzellen. EB

DOI: 10.3238/PersPneumo.2018.03.09.06

Quelle: Agalioti T, et al.: Mutant KRAS promotes malignant pleural effusion formation. Nat Commun 2017; 8:15205. DOI: 10.1038/ncomms15205.

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