ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2018Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Neue Verhandlungen

POLITIK

Tele­ma­tik­infra­struk­tur: Neue Verhandlungen

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): A-417 / B-363 / C-363

Beerheide, Rebecca

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Die KBV will mit Politik und Krankenkassen die Bedingungen für die Einführung der Tele­ma­tik­infra­struk­tur nachverhandeln. Mitsprache fordert sie auch bei der elektronischen Patientenakte.

Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied, fordert Nachverhandlungen mit Politik und Kassen. Foto: Georg J. Lopata
Thomas Kriedel, KBV-Vorstandsmitglied, fordert Nachverhandlungen mit Politik und Kassen. Foto: Georg J. Lopata

Kein Einfluss auf die technische Entwicklung, aber die geplanten Sanktionen tragen müssen: Gegen dieses Prinzip beim Ausbau der Tele­ma­tik­infra­struk­tur (TI) will sich die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) nun wehren. Vorstandsmitglied Dr. rer. soc. Thomas Kriedel machte auf der Ver­tre­ter­ver­samm­lung (VV) Anfang März deutlich, dass er zügig mit den Krankenkassen und der Politik die Konditionen nachverhandeln und frühe Sanktionen verhindern will. So wolle die Körperschaft mit dem GKV-Spitzenverband darüber verhandeln, dass die aktuellen Marktpreise der TI-Komponenten weiterhin bezahlt werden. „So ist es in der TI-Vereinbarung vorgesehen“, sagte Kriedel vor den VV-Delegierten. Die Marktpreise lägen weiterhin über den bislang vereinbarten Erstattungsbeiträgen und würden nicht, wie bislang angenommen, sinken.

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Außerdem will die KBV mit der Politik ins Gespräch kommen, um eine Fristenverlängerung für die Geräteanschaffung zu erreichen. Nach der derzeitigen Gesetzeslage werden Ärzte, die bis zum 1. Januar 2019 das Versichertenstammdatenmanagement (VSDM) nicht durchgeführt haben, mit einem Honorarabzug von einem Prozent sanktioniert. Hier sollte die Frist um sechs Monate verlängert werden. „Nicht die Vertragsärzte sind Schuld an dieser Verzögerung, sondern es ist der Markt, der nicht liefern kann.“

Die Anbindung der Praxen an die TI laufe nur schleppend: Entgegen der Ankündigungen der Hersteller gebe es weiterhin nur einen Konnektor einer Firma. Derzeit rät die KBV, dass Praxen die Angebote der Hersteller genau prüfen sollten. „In dem Vertrag muss eindeutig geregelt sein, in welchem Quartal Ihr Anbieter die TI-Komponenten auch garantiert anschließen kann.“

Für die Zusammenarbeit mit der neuen Bundesregierung fordert Kriedel, dass die Selbstverwaltung an der Gestaltung der Digitalisierung beteiligt wird. So soll laut Koalitionsvertrag ein elektronischer Impfpass eingeführt werden. „Wir gehen davon aus, dass die Inhalte eines solchen Impfpasses natürlich von der Selbstverwaltung geregelt werden.“ Dies müsse mit den Krankenkassen im Bundesmantelvertrag und im Bewertungsausschuss geschehen, „wo auch die Vergütung abzustimmen sein wird.“

Dies gelte auch für die elektronische Patientenakte: „In der Pflicht sind diejenigen, die die ärztliche Kompetenz haben, und diejenigen die die Finanzierungsverantwortung tragen.“ Die VV beauftragte den Vorstand, eine Spezifikation für die elektronische Patientenakte zu erarbeiten. Dabei geht es um den Versorgungsbezug, die Praxistauglichkeit, Datenstruktur, -sicherheit und -hoheit sowie die Interoperabilität. Mit diesem Arbeitspapier solle sich der Vorstand in die bereits bestehenden Diskussion einbringen. Rebecca Beerheide

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