ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2018Septischer Schock: Hydrocortison hat bei akzeptabler Hämodynamik keinen zusätzlichen Nutzen

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Septischer Schock: Hydrocortison hat bei akzeptabler Hämodynamik keinen zusätzlichen Nutzen

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): A-438 / B-383 / C-383

Siegmund-Schultze, Nicola

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Foto: picture alliance
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Kortikosteroide werden bei septischem Schock häufig für einige Tage infundiert, da sie antientzündlich, immunsuppressiv und katabol wirken und den Flüssigkeitshaushalt stabilisieren können. Bisherige kontrollierte klinische Studien und Metaanalysen lieferten widersprüchliche Ergebnisse zur Frage, ob Hydrocortison die Dauer der Schocksymptomatik und die Sterblichkeit positiv beeinflusst. In einer großen randomisierten Studie sind erwünschte und unerwünschte Effekte von Hydocortison untersucht worden.

In die internationale, prospektiv randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Studie wurden 3 800 stationäre Patienten aufgenommen, die einen septischen Schock nach den SIRS-Kriterien hatten und künstliche Beatmung benötigten. Sie wurden 1:1 randomisiert in zwei Gruppen: kontinuierlich Hydrocortison i.v. über 24 Stunden (200 mg/Tag) bis zum Verlassen der intensivmedizinischen Abteilung und maximal für 7 Tage oder Placebo. Das Durchschnittsalter betrug 62,3 Jahre in der Hydrocortisongruppe und 62,7 Jahre in der Placebogruppe. 3 658 Patienten erreichten den primären Endpunkt: die Gesamtsterblichkeit innerhalb von 90 Tagen nach Randomisierung.

27,9 % der Patienten starben in dieser Zeitspanne im Verum-Arm und 28,8 % unter Placebo, innerhalb von 28 Tagen waren es 22,3 % und 24,7 %. Die Unterschiede waren statistisch nicht signifikant, auch nicht bei der Zahl der Beatmungstage und Hämodialysen.

Die Inzidenzen von Bakteriämie oder Fungämie differierten ebenfalls nicht wesentlich. Andere unerwünschte Hydrocortisonwirkungen wie Stoffwechselstörungen, Bluthochdruck, Myopathie oder Enzephalopathie traten bei 1,1 % im Ve-rum-Arm auf und in der Placebogruppe bei 0,3 %. 37,0 % der Teilnehmer mit Glukokortikoidtherapie benötigten Bluttransfusionen und 41,7 % unter Placebo (p = 0,004).

Fazit: Eine kontinuierliche Infusion von Hydrocortison verminderte bei Patienten mit septischem Schock weder die Dauer der invasiven Beatmung noch die 28- oder 90-Tages-Sterblichkeit. Allerdings benötigten signifikant weniger Patienten unter Hydrocortison Bluttransfusionen, vermutlich wegen der günstigen hämodynamischen Effekte. In der AWMF-S3-Leitlinie heißt es: Hydrocortison in einer Dosierung von 200 mg/Tag i.v. sei dann zu erwägen, wenn sich mit einer adäquaten Flüssigkeits- und Vasopressortherapie die hämodynamische Stabilität nicht wiederherstellen lasse. Dr. rer. nat. Nicola Siegmund-Schultze

Venkatesh B, Finfer S, Cohen J, et al.: Adjunctive Glucocorticoid Therapy in Patients with Septic Shock. N Engl J Med 2018; DOI: 10.1056/NEJMoa1705835.

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