ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2018Präeklampsie in der Schwangerschaft: Blutdruck ist häufig auch längere Zeit nach Entbindung noch zu hoch

MEDIZINREPORT: Studien im Fokus

Präeklampsie in der Schwangerschaft: Blutdruck ist häufig auch längere Zeit nach Entbindung noch zu hoch

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): A-438 / B-383 / C-383

Gießelmann, Kathrin

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Foto: RFBSIP/stock.adobe.com
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In Industrieländern tritt bei 3 bis 5 % der Schwangerschaften eine Präeklampsie auf. Dabei kommt es zu Bluthochdruck und erhöhten Proteinwerten im Urin. In einer großen retrospektiven Kohortenstudie mit 200 Frauen, die in der Schwangerschaft eine schwere Präeklampsie hatten, ist untersucht worden, wie sich der Blutdruck im auf die Entbindung folgenden Jahr entwickelte, und zwar tags und nachts. In der Schwangerschaft hatten die systolischen Werte ≥ 160 mmHg betragen, die diastolischen ≥ 110 mmHg.

Dabei stellte sich heraus, dass mehr als 41 % der Frauen im Jahr nach der Schwangerschaft einen zu hohen Blutdruck hatten. Am häufigsten trat eine maskierte Hypertonie auf (17,5 %), was bedeutet, die Blutdruckwerte in der Praxis waren normal, außerhalb der Praxis waren sie aber zu hoch. 14,5 % litten an einer anhaltenden Hypertonie, 9,5 % an einer Weißkittelhypertonie, die auftritt, wenn die Blutdruckwerte in der Arztpraxis höher sind als außerhalb der Klinik. Hätten die Ärzte den Blutdruck nur in der Klinik gemessen, hätten sie etwa die Hälfte der Frauen mit zu hohem Blutdruck übersehen. Dies sei auch der Grund, warum Bluthochdruck nach der Schwangerschaft oft unbemerkt bliebe, erklärt Benschop.

Bei 46 % der Frauen sank der Blutdruck zwischen Tag und Nacht zudem nur unzureichend ab. Eine Hypertonie in den Nachtphasen erhöht das Risiko von Herzerkrankungen, Schlaganfall und Tod. Davon betroffen waren 42,5 % der Frauen in der Studie.

Fazit: Frauen mit schwerer Präeklampsie tragen auch nach der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, was oft unbemerkt bleibt. Im Vergleich zu Frauen mit normalem Blutdruck während der Schwangerschaft entwickeln sich bei ihnen statistisch 7-mal häufiger kardiovaskuläre Erkrankungen.

„Die Ergebnisse legen nahe, dass Frauen, die während der Schwangerschaft eine Hypertonie haben, ihren Blutdruck auch noch lange nach der Entbindung messen sollten, auch zu verschiedenen Tages- und Nachtzeiten, zu Hause“, so die Autoren.
Kathrin Gießelmann

Benschop L, Duvekot JJ, Vermissen J, et al.: Blood pressure profile 1 year after severe preeclampsia. Hypertension 2018; DOI: 10.1161/HYPERTENSIONAHA.117.10338.

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