ArchivDeutsches Ärzteblatt10/2018Schweres eosinophiles Asthma: Antikörper als Add-on-Therapie

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Schweres eosinophiles Asthma: Antikörper als Add-on-Therapie

Dtsch Arztebl 2018; 115(10): A-440

Schulte Strathaus, Regine

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Mit dem monoklonaren Antikörper Benralizumab, der im 8-Wochen-Intervall als Injektion verabreicht wird, steigt die Lebensqualität der Patienten signifikant. Der Einsatz von Steroiden kann im Verlauf der Therapie drastisch reduziert oder sogar aufgehoben werden.

Für erwachsene Patienten mit schwerem eosinophilem Asthma, das trotz hochdosierter inhalativer oder oraler Kortikosteroide (ICS/OCS) plus lang wirksamer Beta-Agonisten (LABA) unzureichend kontrolliert ist, wird die Palette der Biologika nun durch ein weiteres ergänzt: Benralizumab (Fasenra®) wird als Add-on-Erhaltungstherapie eingesetzt. Der Vorteil gegenüber bereits etablierten Biologika besteht bei diesem neuartigen humanisierten afucosylierten (IgG1) monoklonalen Antikörper in dem Behandlungsschema mit nur 8 subkutanen Injektionen im ersten Jahr. Gegenüber anderen Biologika reduziert sich die Medikamentengabe mittels Fertigspritze mit 30 mg um die Hälfte.

Einsatz von Steroiden reduziert

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Bemerkenswert ist, dass der Einsatz von Steroiden im Verlauf der Therapie drastisch reduziert oder aufgehoben werden kann. Die positiven Wirkungen von Benralizumab konnten in den 3 Zulassungsstudien SIROCCO (1), CALIMA (2) und ZONDA nachgewiesen werden. Der Wirkstoff bindet zum einen an die Alpha-Untereinheit des Interleukin-5-Rezeptors (IL-5-Rα) auf Eosinophilen und verstärkt zum anderen durch seine Bindung an natürliche Killerzellen (NK-Zellen) die Apoptose der Eosinophile. Dies führt bereits nach 2–3 Tagen zu einer direkten und vollständigen Elimination der eosinophilen Granulozyten im Blut.

Allerdings, so der Pneumologe Dr. med. Hartmut Timmermann, Hamburg, „sollte die Medikation bei diesem Patientenkollektiv sorgfältig ausgewählt werden. Schweres Asthma mit einer Eosinophilenanzahl von ≥ 300 µ stellt eine große Herausforderung dar, da dieses Krankheitsbild großes Leiden – auch im sozialen Bereich – mit sich bringt“. Timmermann, der in einem Netzwerk mit niedergelassenen Pneumologen und Allergologen zusammenarbeitet, nannte 7 Punkte für die Asthmatherapie, die im Vorfeld abzuklären seien: Personentyp, Entzündungstyp, Compliance, verstärkende Faktoren, klinischer Phänotyp (z. B. schwer allergisch), Therapieziel und -optionen.

Er schilderte den Leidensweg einer 71-jährigen Patientin und 6-fachen Mutter mit schwerem Asthma, die erstmals 2013 behandelt wurde. Sie litt seit 50 Jahren unter schwerem Asthma mit mehreren Exazerbationen alle 3 Monate, Steroidosteoporose sowie einem insulinpflichtigen Diabetes. Sie nahm 11 unterschiedliche Medikamente, stand unter Dreifachtherapie plus 10–40 mg Prednisolon, durch das sie erheblich an Gewicht zugenommen hatte. Sie wies anfangs kaum Eosinophilie auf.

Diese konnte jedoch später nachgewiesen werden mit einer Anzahl von 530 µ. Ab 2016 wurde sie mit einem etablierten Biologikum (Mepolizumab) behandelt. Im Verlauf der Therapie reduzierten sich die Eosinophile stetig, im Mai 2016 konnten die Steroide abgesetzt werden. Im August 2017 wurde alle 4 Wochen der neue IL-5-Antikörper gespritzt. Da es aber nach 2 Wochen erneut zu einer Exazerbation kam, wurde das Injektionsintervall auf 8 Wochen umgestellt. Diese Therapie war so erfolgreich, dass sich die Patientin heute einer wesentlich besseren Lebensqualität erfreut.

Auch Prof. Dr. med. Marek Lommatzsch, Rostock, begrüßte diese „nebenwirkungsarme Therapie mit hohem Zusatznutzen, weil sich für Asthmapatienten ihr ganzes Leben positiv verändert“.

Weniger Steroide verordnen

Positiv vermerkten beide Experten, dass dieses neue Therapieschema auch Einzug in die aktualisierte S2k-Leitlinie (3) Einzug gehalten habe, mit nachgeordneter Rolle der Kortikosteroide. Um die zahlreichen Steroidverordnungen einzudämmen, bedürfe es mehr Aufklärung und Fortbildung bei Hausärzten und Niedergelassenen zur neuen Therapieoption. Dazu Lommatzsch: „In den Köpfen muss ein Umdenkprozess stattfinden, ähnlich wie nach der Einführung von Biologika in der Rheumatologie in den 1990er-Jahren, deren Vorteile erst nach und nach akzeptiert wurden. Bestehende Netzwerke müssten erweitert werden, um mehr Patienten adäquat behandeln zu können.

Für Hartmut Timmermann ist es wichtig, in Zukunft solche Patienten herauszufiltern, die unter dauerhafter ICS/OCS-Therapie stehen. Die Kosten der Therapie werden sich jedoch auf zwischen 16 000 und 17 000 Euro pro Jahr für jeden Patienten belaufen. Regine Schulte Strathaus

Quelle: Launch-Pressekonferenz „Neue Präzisionstherapie des schweren eosinophilen Asthmas: Launch des ersten IL-5-Rezeptor-Antagonisten Benralizumab“ von Astra Zeneca in Frankfurt/Main.

1.
Bleecker ER, et al.: Lancet 2016; 388: 2115–27 CrossRef
2.
FitzGerald JM, et al.: Lancet 2016; 388: 2128–41 CrossRef
3.
AWMF: S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma, (020–009). http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-009l_S2k_Asthma_Diagnostik_Therapie_2017-11_1.pdf (last accessed on 28 February 2018).
1.Bleecker ER, et al.: Lancet 2016; 388: 2115–27 CrossRef
2. FitzGerald JM, et al.: Lancet 2016; 388: 2128–41 CrossRef
3.AWMF: S2k-Leitlinie zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit Asthma, (020–009). http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/020-009l_S2k_Asthma_Diagnostik_Therapie_2017-11_1.pdf (last accessed on 28 February 2018).

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