ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2018Koalitionsvertrag und psychische Erkrankungen: Impulse für die Versorgung

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Koalitionsvertrag und psychische Erkrankungen: Impulse für die Versorgung

PP 17, Ausgabe März 2018, Seite 97

Bühring, Petra

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Der aktuelle Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD ist vor allem gekennzeichnet durch ein „Weiter so“ in vielen Bereichen: Laufende Projekte und Vorhaben sollen fortgeführt und um neue Aspekte ergänzt werden. Die Beiträge auf den Seiten 104 bis 109 geben einen umfassenden Überblick. Es findet sich bei den meisten Punkten indes wenig Konkretes, wie sich etwas ändern soll. Bei Redaktionsschluss von PP war der Koalitionsvertrag noch nicht ganz in trockenen Tüchern: Der SPD-Mitgliederentscheid darüber, ob die Partei tatsächlich ein Bündnis mit der Union eingehen soll, stand noch aus.

Eine künftige mögliche Große Koalition will die Versorgung psychisch kranker Menschen und insbesondere die von Kindern psychisch kranker Eltern verbessern. Hier sollen die Probleme der Kooperation und Koordination der unterschiedlichen Hilfesysteme beseitigt werden. Die Forschung zu psychischen Erkrankungen soll ausgebaut und „Volkskrankheiten“ wie Krebs, Demenz und eben psychische Erkrankungen bekämpft werden. Der Koalitionsvertrag sieht vor, die Prävention insbesondere gegen Drogen, Alkohol und Tabak zu verstärken.

Gute Voraussetzungen für eine zukunftssichere und weiterhin qualitativ hochwertige psychotherapeutische Versorgung liefert ein wichtiger Satz: „Die Novellierung der Ausbildung der bisherigen Psychologischen Psychotherapeuten in Form einer Direktausbildung soll zügig abgeschlossen werden.“ Die Arbeit der vielen, die sich in den vergangenen Jahren für eine Reform der Ausbildung eingesetzt haben, war somit nicht umsonst und kann weitergeführt werden.

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Die „sprechende Medizin“ soll besser vergütet werden. Mehr Honorar wäre gerade für Psychotherapeuten, die im Durchschnitt weniger als die Hälfte der Einkommen der somatischen Facharztgruppen zur Verfügung haben, sehr wichtig. Der Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten weist indes darauf hin, dass Psychotherapeuten nur dann eine Chance hätten, zusammen mit der „sprechenden Medizin“ der somatischen Fachgruppen bei einer gemeinsamen Gebührenordnung angemessen berücksichtigt zu werden, wenn das Thema von Experten bearbeitet werde. In die angekündigte Kommission aus Wissenschaftlern, die bis Ende 2019 eine Expertise zur Angleichung der Arzthonorare in der gesetzlichen und privaten Kran­ken­ver­siche­rung erarbeiten soll, müsse daher auch ein Honorarexperte der Psychotherapeuten eingebunden werden.

Weiter heißt es in dem Kapitel „Krankenhäuser“, dass die Schaffung einheitlicher und hinreichender Personalstandards sowie die Einführung stationsersetzender Leistungen „mit Nachdruck“ umgesetzt werden sollen. Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung weist zu Recht darauf hin, dass bei den Personalstandards eine „nachdrückliche Berücksichtigung“ von Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten besonders wichtig sei.

Schließlich hat sich eine neue Große Koalition auch die Bekämpfung von Gewalt und sexuellem Missbrauch von Kindern und Jugendlichen auf die Fahnen geschrieben. Dazu soll die Forschung verbessert und Verfahrensabläufe optimiert werden. Die Stelle des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Missbrauchs und die Einrichtung des Betroffenenrates sollen verstetigt werden. Dies ist immerhin sehr konkret.

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