ArchivDeutsches Ärzteblatt PP3/2018Psychisch kranke Kinder: Therapiebereitschaft hängt vom Männlichkeitsideal der Väter ab

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Psychisch kranke Kinder: Therapiebereitschaft hängt vom Männlichkeitsideal der Väter ab

PP 17, Ausgabe März 2018, Seite 133

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Ob Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten und psychischen Erkrankungen psychotherapeutische Hilfe erhalten, hängt maßgeblich von der Einstellung und Bereitschaft der Eltern ab. Zu diesem Ergebnis kamen amerikanische Psychologen um Larissa Niec von der Central Michigan University (USA), nachdem sie 26 Väter und Mütter mit Kindern im Alter von zwei bis zwölf Jahren befragt und geprüft hatten, welche Rolle die Orientierung am männlichen Geschlechterrollenstereotyp spielte. Das Männlichkeitsideal der westlichen Welt beinhaltet, dass Männer erfolgs-, status- und machtorientiert, körperlich stark und innerlich unabhängig sind, ihre Emotionen unter Kontrolle haben und nicht über Probleme sprechen. Niec und Kollegen fanden heraus, dass Eltern, die diesem Stereotyp anhingen, weniger bereit waren, ihr Kind zum Therapeuten zu bringen oder an einer Therapie teilzunehmen als Eltern, die damit weniger konform gingen. Die befragten Väter waren deutlich weniger als die Mütter bereit, bei psychischen Problemen einen Therapeuten aufzusuchen oder ihren Kindern therapeutische Hilfe zukommen zu lassen. „Am stärksten war diese Haltung bei Vätern ausgeprägt, die sich in ihrem Verhalten am westlichen Männlichkeitsideal orientierten“, so die Autoren. Dagegen spricht, dass Väter, die sich in den Therapien ihrer Kinder einbringen, nachweislich zu positiven Verhaltensänderungen, besseren Therapieerfolgen und einer Fortführung des Gelernten nach der Therapie beitragen. Ihre Teilnahme führt außerdem zu weniger Stress bei den Eltern, weniger Therapieabbrüchen und weniger negativen Interaktionen zwischen Eltern und Kindern. Die Autoren halten die Einbindung von Vätern in die Therapie psychisch erkrankter Kinder für wertvoll und unerlässlich. Ihr Ansatz, damit mehr Väter ihre Kinder zur Therapie bringen und sich daran beteiligen, besteht darin, das Männlichkeitsideal zu hinterfragen und es abzukoppeln von der Notwendigkeit, sich bei psychischen Erkrankungen Hilfe zu suchen. ms

Triemstra K, Christian-Brandt A, Niec L, Peer S: The influence of conventional masculine gender role norms on parental attitudes toward seeking psychological services for children. Psychology of Men & Masculinity 2017; 18 (4): 311–320

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